Tag 6 - 15.Mai -- Von Istanbul nach Riva

Sensationeller vierter Platz beim LeMans-Start am Morgen und geplatzter Kühler mitten in Istanbul - heute ist Tag der langen Messer.

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

Heute heißt es Abschied nehmen von Istanbul. Viel gesehen haben wir nicht von der Stadt. Wiederkommen ist Pflicht, denn diese City hat wirklich eine Menge zu bieten.
Der Tag beginnt mit Frühstück um acht, man kann also von einer Art von 'Ausschlafen' sprechen. Ein letztes Frühstück im Rooftop-Restaurant, auschecken und ab zum Fahrerlager. In der Nacht sind die letzten Nachzügler angekommen und versperren unsere eigentlich gute Startposition. Am heutigen Tag geht es darum, nach dem Startschuss in möglichst kurzer Zeit bis zur Bosporus-Fähre zu gelangen. Und das mitten im 'normalen' Stadtverkehr dieser chaotischen Megacity. Wir sind gespannt, wie das klappen soll. Und heute werden wir zu acht in den Autos fahren. Unsere beiden Groupies sollen bis zur Fähre mitfahren.

Vor der Bühne treffen sich die Teams für die Verabschiedung. Viele Hochdekorierte, Bürgermeister und Minister fühlen sich genötigt, blumige warme Worte an die versammelte Mannschaft zu richten. Die Spannung steigt erst, als Wilfried (OK-Chef) mit dem Europa-Minister auf türkisch von zehn zum Start herunter zählt. Wahnsinn, was dann bei 'Null' passiert. Die Teams sprinten in einem heillosen Durcheinander zu ihren Autos, manche stolpern übereinander, Motoren heulen auf, Reifen quietschen und ein mit wildem Gehupe geht es durch das Start-Tor in Richtung Fährhafen. Neben und hinter uns verkeilen sich Autos ineinander und mehr durch Zufall tut sich vor uns eine Lücke auf. Und spätestens jetzt wird uns klar, dass die Idee mit den Kuhfängern eine richtig gute war. Die weiß getünchten Stahlrohre flößen allen anderen Verkehrsteilnehmer den nötigen Respekt ein und selbst der Peterwagen der Stadtpolizei macht uns Platz. Holger räumt als Führungsfahrzeug die Straße frei und die beiden anderen Wüstensterne rasen hinterher. Unter lautem Jubel der Passanten jagen wir die engen Straßen hinunter, Fußgänger springen aus dem aus dem Weg und die eine oder andere rote Ampel wird schamlos ignoriert. Ein letzter U-Törn unten auf der Küstenstraße und völlig überraschend kommen wir mit einem sagenhaften vierten Platz vor der Fähre ein. Hammer, eine echt blitzsaubere Team-Leistung. Unter lautem Jubel raus aus dem Auto, das Fährticket mit dem Zeitstempel lösen und abklatschen. Was für ein Auftakt dieses Rallye-Tages. Auf der Fähre treffen wir das Team der 'Wadi-Beisser'. Die sind erst heute Morgen um sechs in Istanbul angekommen, eineinhalb Tage Verspätung. Dreimal sind die Sechs mit Pannen liegengeblieben. Einspritzpumpe, Kühler und Getriebe - mittlerweile kennen sie jedes Aggregat mit Vornamen. 40 Stunden seien sie durchgefahren - man kann es ihnen glauben, denn solche Augenringe habe ich noch nicht gesehen.

Vom Fährhafen aus müssen wir einen bestimmten Bahnhof suchen und dort mit einer Künstlerin, die dort ausstellt, ein Foto machen. Doch der Verkehr, ein Gewirr aus Einbahnstraßen und etliche Baustellen machen diese Aufgabe zu einer echten Prüfung für Mensch und Material. Und unser Material besteht diese Prüfung nicht. Ohne Vorwarnung platzt an einer Kreuzung der Kühler von Doris und Holgers Mercedes. Eine dicke Wasserdampfwolke steigt aus dem Motorraum, eine Wasserlache unter dem Auto und die Diagnose ist sofort klar: Totalausfall des Kühlers. Und das mitten in diesem Moloch. Nun ist er da, der GAU. Wir hatten wohl zuviel Glück in den ersten Tagen.

Was jetzt folgt, macht das Team Südheide endgültig zur Legende. Vom Stehenbleiben bis 'Motor läuft wieder' vergehen 122 Minuten! Rekordverdächtig. Nachdem sich Holger und Cord mit sorgenvoller Miene in den Motorraum gebeugt haben muss ein Plan her. Ausbauen des Kühlers ist kein Problem, aber woher Ersatz beschaffen? Und jetzt zeigt sich die wahre Gastfreundschaft unseres türkischen Gastlandes. Schon nach kurzer Zeit steht ein Taxifahrer neben uns und fragt nach unserem Problem. Es entwickelt sich ein unglaublicher Dialog, denn weder auf Deutsch noch auf Englisch ist eine Konversation möglich. Mit Händen und Füßen reden wir 1a aneinander vorbei. Während wir abschleppen und ihn voran fahren lassen wollen, will er uns wohl einen neuen Kühler von irgendwoher besorgen. Oder auch nicht. Oder was anderes. Er telefoniert und schreibt gleichzeitig Fahrzeugdaten auf. Wir wollen in unsere Autos steigen und er will einen vom Team in sein Taxi laden. Schließlich scheinen wir uns darauf geeinigt zu haben, einen Kühler von irgendwoher zu holen und Holger und Groupie Andreas steigen zu ihm ins Taxi. Der Rest der Mannschaft bleibt am 'Unfallort'. Nach einer Odyssee durch das Einbahnstrassengewirr hält das Taxi in 'Werkstatt-City', einem Stadtteil voller Autowerkstätten. Aber an Stelle eines neuen Kühlers steigt lediglich ein älterer Monteur zu, einen 17er, einen 19er und einen Schraubenzieher in der Hand. Zum Glück kommt in einem zweiten Fahrzeug tatsächlich ein Originalkühler und auch noch zwei weitere Monteure. Gemeinsam bauen sie den Kühler für uns ein und wir können nach kaum mehr als zwei Stunden Standzeit unsere Fahrt Richtung Riva fortsetzen.

Während dieser Aktion ist nahezu jedes Rallye-Team an uns vorbeigekommen. Dass wir am Ende trotzdem längst nicht als letze ankommen macht unser Team definitiv zur Legende. Die Weiterfahrt ist auch nicht von schlechten Eltern. Der Ost-Teil der Stadt besteht mehr oder weniger nur aus Einbahnstraßen und wenn es mal keine gibt, dann ist Baustelle. Wie schön wäre es jetzt, auf die Autobahn fahren zu können. Aber nein, wir wollen auf die Küstenstraße Richtung Norden. Und das dauert. Ein Wunder, dass wir uns hier nicht verloren haben. Heute funktioniert die Kommunikation mit unseren Funkgeräten einwandfrei.

Die letze Aktion des Tages ist ein Fußballspiel einer Manschaft der Rallye-Teilnehmer gegen eine türkische Auswahl. Wir unterliegen leider 0:1, auch wenn unsere Mannschaft die reifere Spielanlage zeigt. Anschließend bringen wir dem türkischen Fussballverband unsere Geschenke dar. Team Südheide übergibt zwei Wimpel, einen vom SC Borgfeld, einen vom SV Werder Bremen. Alles in allem wenig spektakulär.

Von dort fährt der gesamte Tross noch nach Riva, einem Küstenort am nördlichen Ende des Bosporus. Wir lagern auf einem wunderbar gelegener Campingplatz mit Blick auf das Meer. Den Grill an, Würstchen drauf und lecker Abendessen. Die Betreiber des Campingplatzes versuchen uns noch anständig übers Ohr zu hauen, als es um das Bezahlen des Zeltplatzes geht. Nicht mit uns!! So, ein Uhr nachts geht's in die Kiste.

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Tag 5 - 14.Mai -- (Un-) Ruhetag in Istanbul

Heute fahren wir ausnahmsweise mal kein Auto. Stattdessen rasen wir mit selbstgebauten Seifenkisten durch die Gegend.

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Die Geschichten des Tages

 

Wenn wir uns schon zum 'Horst' machen, dann aber richtig! Nicht anders kann die Überschrift dieses Rast-Tages lauten. Die Nacht wieder verdammt kurz. Die Uhr zeigte kurz vor drei, als das Team den Weg in die Betten des Hostel Oriental findet. Beim Einchecken hatten wir dem Tresendompteur noch ein Zimmerupgrade abgerungen. Kostenfrei natürlich. Jetzt haben wir für zwei Tage Dusche auf der Kammer.

Viertelnachsieben sind wir wieder wach, wenn auch mit kleinen Äuglein und zerknautschten Gesichtern. Was soll's, dann wird eben morgen geschlafen, oder irgendwann. Nur eben nicht jetzt und nicht hier.
Frühstück gibt es in der Rooftop-Bar. Der Knaller, mit spektakulärem Blick zur blauen Moschee und Hagia Sophia. Also jetzt der kleine Werbeblock: Hostel Oriental, eine Empfehlung von Team Südheide.
Der Kaffee tut echt gut und weckt die letzten vorhandenen Lebensgeister. Erstaunlich, aber das ganze Team ist fit und brennt.

Nach dem Frühstück geht es direkt in's Fahrerlager, eine Menge Aufgaben warten auf uns. ist ja schließlich keine Butterfahrt - sagt Cord. Die wichtigste Herausforderung des heutigen Tages ist das Verfertigen einer Seifenkiste. Der grobe Plan ist in den letzten beiden Etappen schon gereift. Ralf und Holger machen sich an's Werk und kurz nach Mittag steht das Fahrgestell auf der Wiese. Schon ganz gut. Aber ein Blick durch das Fahrerlager zeigt, dass wir unbedingt noch nachlegen müssen. Beim Style hapert es noch deutlich. Es kann ja wohl kaum der Anspruch sein, nur 'irgendwie' anzukommen.

Die ganze Zeit bin ich so bei der Sache, dass mir erst um die Mittagszeit herum klar wird, wo wir eigentlich sind und was hier gerade abgeht. Mitten im Herzen von Istanbul direkt neben den Heiligtümern Blaue Moschee und Hagia Sophia sitzen wir im buntesten aller Fahrerlager. Eine Art fröhlicher geschäftige Volksfeststimmung macht sich seit dem Morgen hier breit. Alle Teams werkeln und basteln oder lösen Aufgaben und tauschen Schuhe. Apropos: Mit drei erfolgreich getauschten Paaren sind wir gaaanz weit vorn! Es ist 13:00 Uhr als auch Herma und ihr Team 222 endlich ankommen. Doch sie sind nicht mehr vollzählig. In Rumänien ist eines ihrer Motorräder mit Motorschaden ausgefallen.
Um uns herum und über den Platz laufen tausende Touristen, die sich natürlich sofort für uns und unsere Geschichte interessieren. Mindestens ein Dutzend Mal habe ich schon erklärt, was die Rallye ist und wo entlang sie verläuft. Ralf gibt sogar ein Interview und wird bei der Arbeit an der Seifenkiste gefilmt. Frauen mit Tschador oder in Burka laufen vorbei, dazu Menschen jeder erdenklichen Nationalität. Unser Grill ist mindestens ein paar hundert Mal fotografiert worden. Besonders die asiatischen Touristen lassen sich zuhauf mit uns ablichten. Unsere Seifenkiste ist DAS Fotomotiv ihrer Begierde. Ob als Selfie oder Arm in Arm mit dem Rallyeteam, dieses Motiv macht gerade Karriere in den sozialen Medien des Fernen Ostens. Bis zum nächsten Mal sollten wir dafür ein anständiges Geschäftsmodell entwickelt haben. Unseren Freunden von Team 2 wurden von einem begeisterten schwedischen Touristen sogar 200 türkische Lira (Spende!) für ein Gruppenfoto und ein Team-TShirt gezahlt. Rallye-Style eben.

Während Ideen zum Seifenkistentuning noch gesucht werden, gehen wir die anderen Aufgaben an. Anja klebt noch ein paar 'Schatzi-Aufkleber' auf markante Stellen. Polizei- und Feuerwehrautos, Müllwagen und andere Fahrzeuge: Alle ziehen mit. Außerdem ist Holger auserkoren worden zwei Mopedfahrern die Vorteile des türkischen TÜV zu erklären und zu einer entsprechenden Prüfung zu bewegen. Kunstvoll fertigen Anja und Doris aus Knete unsere Kühlerfigur und ein wunderbares Rallye-Kamel. Auch diese Aufgabe wird mit Bravour vollbracht. In der Zwischenzeit hat Ralf unsere Zeltplane über alle Autos gespannt. Schutz vor der Sonne, denn mittlerweile brennt der Planet massiv vom Himmel.

Inspiriert durch diese kreativen Leistungen sprudelten dann auch die Ideen für die Seifenkiste. Beifahrersitz, Klopapierrolle, Feuerlöscher und viele Accessoires zieren nun unser schickes Gefährt. Besonders klasse ist, dass wir zwei Fans aus Bremen in Istanbul begrüßen konnten. Torben und Andreas sind extra aus Bremen angereist, um uns zu unterstützen. Mit vielen Ideen und einer gesunden Form von Albernheit werkeln sie an unserer Kiste mit. Aus einem Wasserkanister werden rasch noch zwei kunstvolle Helme gebastelt und dann geht es auch schon los. Entlang einer gepflasterten Straße nehmen duzende mehr oder weniger fahrtüchtige Kisten ihre Positionen ein. Mit einem Fahrer (Christoph) und einem 'Motor' (Cord) sollen wir gleich eine große Runde um das Fahrerlager drehen. Oha, das ist richtig viel Strecke. Welche Taktik wird die richtige sein? Schnell an die Spitze stürmen und von vorn fahren oder auf Sicherheit und Ankommen fahren?
Eines ist auf jeden Fall schon vor dem Start klar: Mit DEM Style ist Team Südheide wieder ganz weit vorn.

Plötzlich eine irre Lautstärke -- der Muezzin ruft. Ein tolles Spektakel. Annähernd fünf Minuten lang preisen er und seine Kameraden der umliegenden Moscheen ihren Gott Allah.

Dann der Start in LeMans Manier. Im Sprint zu den Seifenkisten, reinspringen und los geht die wilde Fahrt. Allerdings nur ein paar Meter, dann haben sich alle in einem wilden Woooling ineinander verkeilt. Die ersten Kisten überstehen diese Start nicht, die Strecke ist gesäumt von Seifenkisten-Leichen und ihren Teilen. Auch das favorisierte Team 2 zerlegt es früh, die Radaufhängung bricht. Plötzlich ist der Weg vor uns frei - SCHUB!! In wildem Galopp überholen wir die nächsten Teams, um dann in einen Unfall in der zweiten Kurve verwickelt zu werden. Unser Gefährt ist einfach zu breit. An dieser Schlüsselstelle überholen uns leider viele leichte Wagen und wir fallen aussichtslos ins Mittelfeld zurück. Egal, dann fahren wir auf jeden Fall auf Platzierung. Unterwegs haben diverse Nebenaggregate unserer Kiste ihr Leben ausgehaucht und werden zur Beute der Zuschauer, die dichtgedrängt zu Hunderten die Strecke säumen. Ausgangs der letzten Kurve müssen Fahrer und Schieber tauschen, Cord ist im Eimer. Die letze lange Gerade, breit öffnet sich der Zielraum; jetzt noch mal Vollgas, die Hartplastikräder knattern ohrenbetäubend auf dem Pflaster.

Fast wie bei einer Bergetappe der Tour de France drängt die Zuschauermasse bis auf die Fahrbahn und lassen nur einen minimalen Korridor frei. Tolle Atmosphäre -- bis zur Katastrophe. Kurz vor dem Ziel bricht uns die Vorderachse weg. Oh noooooo! Mit letzter Kraft und unter ohrenbetäubendem Jubel der Masse überqueren wir halb schiebend, halb tragend unter ferner Liefen die Ziellinie. Aber: Wir sind DER Hingucker.

Was für ein Sport!!

Nach einer halben Stunde des Verschnaufens zerlegen wir die Reste des schrottreifen Renners. Es ist 18:00 Uhr und den Rest des Tages haben wir zur freien Verfügung. Aber wir haben ja noch etwas in petto. Jetzt nämlich kommt der Grill zum Einsatz. Wir müssen zwar lange in den verwinkelten Gassen suchen, bis wir verschiedene Würste, Brot und Käse finden. Aber es lohnt sich, denn es sieht nicht nur cool aus, wie wir da so grillen, es schmeckt auch noch richtig gut!

Kurz vor Mitternacht sind immer noch nicht alle Teams da. Nummer 107 und Nummer 10 sind noch unterwegs. Die Zehner wollten unbedingt schon im schwarzen Meer baden und die 107er hatten schon beim Start einen Motorplatzer. Oha!
Heute Abend sind wir einigermaßen früh im Bett, die letzten Tage haben Spuren hinterlassen. 13:40 Herma kommt an, Motorrad verloren

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Tag 3 -- 12. Mai -- von Lugoj durch Rumänien bis Pirdop (BG)

Heute ist der Tag, an dem wir das Kinderheim in Lugoj besuchen. Und der weitere Verlauf hat es dann in sich.

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Die Geschichten des Tages

Heute ist Luxus, bis 07:00 Uhr morgens ausschlafen. Und dann auch noch Duschen, Frau Gollnick sei Dank. Unsere Herbergseltern haben lecker Frühstück gemacht, geräucherte Wurst, selbst gemachten Speck, gebratene Eier und Käse. Ein wahrhaft zünftiger Start in den Tag.
Ein letztes geradebrechtes Gespräch mit unseren Gastgebern, die überschaubare Rechnung bezahlt und weiter geht die Fahrt. Nur wenige Kilometer sind es bis zum Kinderheim, wo Team 99 mit ihren T4-Bussen schon auf uns wartet. Die sind echt taff und hatten gestern schon einen Charity-Termin in einem Hundeheim in Stuttgart. Später werden auch noch die Bajuwelen und Team 73, JustForFun vom 'Ivan' hier eintreffen. Unsere Aktion wird damit zu einer Erfolgsgeschichte.

Am Eingang müssen wir unsere Pässe abgeben und zusichern, dass wir nicht fotografieren werden, dann dürfen wir mit den Fahrzeugen aufs Gelände. Dort treffen wir unsere Kontaktfrau Frau Gollnick und den Direktor des Heimes, Herrn Vlasic. Der zunächst am Eingang sehr distanzierte Empfang wird schnell herzlich. Wie so viele andere so können auch die beiden zwar kaum nachvollziehen, warum wir nach Jordanien fahren wollen.
Trotzdem werden wir schnell miteinander warm. Es gibt Kaffee und Kekse und der Direktor erzählt, übersetzt von Frau Gollnick, die zugleich beeindruckende und bedrückende Geschichte und Situation des Heimes. Wir mögen uns kaum vorstellen, wie die Situation der Kinder zu Zeiten des Kommunismus aussah. Ohne Hilfe aus Deutschland kann die Heimleitung auch heute ihre 60 stationären Kinder und 90 ambulant betreuten gerade mal beherbergen und ernähren. Alles andere funktioniert nur mit externer Unterstützung...

Beim anschließenden Ausladen unserer vielen Kisten kommen dann auch viele der jungen und jugendlichen Heimbewohner hinzu. Verwirrende Gefühle, wir sind hier richtig und irgendwie doch nicht. Die Bilder dieses Morgens lassen sich hier nicht angemessen beschreiben und bleiben sicher noch lange in unseren Köpfen. Auf jeden Fall ist es einer der ganz wichtigen Momente unserer Rallye und Grund für mehr Auseinandersetzung nach diesen drei Wochen.
Zum Abschluss gibt es noch ein gemeinsames Foto und ein gleichermaßen herzliches wie sinnbeladenes "Auf Wiedersehen"...

Weiter durch die Karpaten, die wir leider nur am Rande Streifen. Zugern hätte ich einen Bären oder die Wölfe gesehen, die ist dort zuhauf geben soll. Öhöm... Wir kommen durch Dörfer und Weiler, die noch immer den spröden Charme der anti-imperialistischen Dekaden versprühen. Die Straßen zieren noch immer die anderen Meilensteine deutscher Automobilgeschichte - Trabbi, Wartburg und auch sagenumwobene Barkas sind hier noch Teil der variantenreichen Population von Fortbewegungsmitteln. Zu der übrigens auch der längst ausgestorben geglaubte Panjewagen gehört. Dann öffnet sich das Gelände in einen lang gezogenen Donaubogen. Auf dem breiten Strom dümpeln verrostete Binnenschiffe in Ausmaßen herum, die wir sonst nur von der Bremerhavener Stromkaje kennen. Eisernes Tor heißt dieser sich an den Fluß schmiegenden Gebirgskette. Wunderschöne Gegend.

Jetzt muss es aber weitergehen, bis Istanbul sind es noch 1.200 Kilometer.

Wir geben Gas, immer entlang der Donau, die sich als breiter Strom durch das serbisch-rumänische Grenzgebiet zieht. Südöstlich Richtung Sofia führt uns der Weg über die 'Strasse Nummer 1', die sich in einem erbarmungswürdigen Zustand präsentiert. Und wie nicht anders zu erwarten kommt plötzlich mitten auf der Strecke eine nicht angekündigte Vollsperrung wegen Baustellen. Spätestens jetzt versagt unsere eher holzschnittartige 'Übersichtskarte Südosteuropa' mit ihrem Maßstab 1:1.500.000. Wir werden umgeleitet, rechts ab in die Weite des ländlichen Bulgarien. Da der Bulgare definitiv keine Umleitungsschilder kennt, fängt ab hier ein erstes echtes automobiles Abenteuer an. Es geht durch Dörfer und Weiler, die zu einem anderen Europa gehören müssen. Eines, in dem in der frühen Mitte des letzten Jahrhunderts die Zeit stehen geblieben ist.

Das wichtigste Transportmittel ist hier immer noch der Panjewagen, gezogen von Pferd oder Esel. Die Menschen am Strassenrand schauen uns mit großen Augen an und winken uns zu. Unterwegs verreckt auch am dritten Auto der Blinker vorn rechts und fällt einfach raus - Serienfehler.
Besonders auffällig in dieser Gegend ist die extrem marode Infrastruktur. Oh Mann, die Geschichten, die dieser Landstrich erzählt, beginnen alle mit "Es war einmal...". Dabei scheint es hier im letzten Jahrhundert einmal anders gewesen zu sein. Große Genossenschaftsbetriebe mit weitläufigen Gebäudekomplexen und umfangreichen Maschinenpark verrotten vor sich hin. Ein paar versprengte, magere Kühe und Pferde bezeugen den Niedergang und machen uns klar, dass das Konzept EU nicht für alle von gleichem Vorteil ist. Gleichwohl begegnet uns die europäische Fahne hier auf vielen Baustellen-Schildern - Strassenbau als Infrastrukturmaßnahme.

Im Radio tönt elektrische Musik im SubWoof-Sound als wir in einer dieser Baustellen auf ein weiteres Team treffen. Es würden keine Gefangenen gemacht und wir wären nicht auf einer Butterfahrt - so in etwa lautete die unmißverständliche Ansage des Teamchefs. Und diese weich-kurvige Strecke gibt es her, den Nachbrenner einzuschalten und den Fuß am Gaspedal gerade zu machen. Raus aus der Ortschaft links raus und auf annähernd Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Jetzt bitte nur kein langsames Gefährt auf unserer Fahrbahn, ich will den Fuss nicht vom Gas nehmen, die Landschaft fliegt vorbei und der beste Beifahrer von allen bringt jedes verfügbare Bildaufnahmegerät in Stellung, um diesen Cruise im Bewegbild einzufangen. Die GoPro raus aus dem Fenster, die Nikon oben aus dem Dachfenster. Schlaglochslalom mit eng gestecktem Kurs, heftige Bodenwelllen und enge Strassenführung - läuft!
Als dann noch die Band Fee mit dem Song 'Doswidanja' aus den Boxen dröhnt, ist dieser Tag endgültig unsterblich.

Was für ein Tag, dieser Kurs rockt. Fast zu schade, als wir nach eineinhalb Stunden überland wieder auf die Strasse Nummer Eins geleitet werden. Aber das soll zum Glück noch nicht alles gewesen sind --- das Beste hat der Tag für den Schluß aufgespart. Ab Mezdra müssen wir wieder über Land fahren, um nicht auf die Mautstrassen zu kommen. Und wir wollen heute schick Zelten und dafür noch im Licht des Tages einen angemessenen Platz finden. See mit Wiese und Strand wäre schön, gern mit Steg zum Angeln. Mal sehen. Mit etwas Glück finden wir den Weg unter der Autobahn durch und kommen in eine wunderschöne bewaldete Hügellandschaft. Und dann müssen wir alle laut lachen. Über Funk weist Holger darauf hin, dass wir gerade den Eingang des Bärennationalparks passiert hätten. Ich werf mich weg -- was für ein idealer Platz zum Zelten. Schön mit Meister Petz vorm Frühstück kuscheln.
An ein paar erstaunlich luxuriösen Hotels vorbei geht es immer tiefer in den Bärenwald immer weiter bergan. Es fühlt sich ein wenig an wie bei 'Hänsel und Gretel', auch weil die Strasse Nummer 3 mehr und mehr an Substanz verliert. Hier oben in der untergehenden Sonne sind auch nur noch sieben Grad, letzter Schnee ziert die Bergkuppen.
Ab jetzt wird es krass! Kein guter Platz zum Zelten... Schmelzwasser hat die Strasse an vielen Stellen aufgerissen und die Wüstensterne müssen ihre erste harte Bewährungsprobe bestehen. Da vorn ist eine Steinlawine runtergekommen, dahinten der Asphalt komplett weggerissen, dort eine tiefe Schneise in der Piste. WHOHOOOOOO - so muss das. Keiner außer uns ist hier unterwegs und die Dunkelheit bricht herein. Was für ein unglaublich cooles Bild ist das, als wir die dicken Dachscheinwerfer einschalten und diese Offroad-Piste in ein surreales Lichtermeer tauchen. Tolle GoPRo-Motive! Irgendwann wird der Asphalt besser und wir kommen nach Pirdop herunter. Hier jetzt etwas zum Zelten finden? Mittlerweile ist es zehn Uhr am Abend. Auf dem Dorfplatz treffen wir die Polizei, die sind wohl schon ein paar Minuten mit dem Peterwagen hinter uns. 'Stehen Sie beque, Herr Wachtmeister' kommt mir in den Kopf - aber zum Glück nicht über die Lippen.

Denn was jetzt folgt, ist die Krönung des Tages. Die Polizisten haben eine Idee für uns, oben im Wald bei einem Hotel auf der Wiese, da könnten wir Zelten. Und seit heute können wir den anderen Teams eine Nachhilfestunde in Sachen AOR-konforme Übernachtung im Vier-Sterne-Hotel geben: Wenn es draußen zu kalt ist, und für ein Zimmer das Geld nicht reicht, dann übernachtet man eben für 11,11€ in der Lobby. Wie cool ist das denn!

Spätestens jetzt sind wir mit offenem Mund begeistert vom Spirit der Rallye und der Gastfreundschaft Bulgariens!!! #gastfreundschaft #bulgarien #hotelborovagora

 

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Tag 1 -- 10.Mai -- von Oberstaufen Richtung Ungarn

 

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Die Geschichten des Tages

Der Wecker klingelt um nullsechshundert. Eines der letzten Biere gestern muss schlecht gewesen sein -- das eine oder andere Teammitglied wird von einer männlichen Katze geplagt. Mit einer kalten Dusche werden die Geister vertrieben, ein erster Kaffee tut dem Seelenheil ebenfalls gut. Frau Sabine hat lecker Frühstück für uns gemacht.

Heute soll es losgehen. 'Vorwärts immer - rückwärts nimmer' so lautet Cords Wahlspruch., den er sich bei Erich H., dem Dachdecker aus dem Saarland, entlehnt hat.

Heute hat Doris Geburtstag. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

Ihre Söhne, für diesen Tag mit nach Oberstaufen angereist, chauffieren uns freundlicherweise zu unseren Autos, die in der Startbox schon auf Bewegung warten. Doch das soll noch dauern. Pünktlich um 08.00 Uhr sind wir im Festzelt, wo noch Weißwurstfrühstück serviert wird. Wilfried und die Jungs vom OK stehen schon auf der Bühne, diverse regionale Honoratioren und Sponsoren reden schlaues Zeugs daher. Wir gucken lieber die wundervollen Autos der anderen Teams an, die sich langsam in Startaufstellung begeben. Wir treffen auch das Team "Rallye-Queens" von Nina, die ein gemischtes Team aus 8 Frauen zusammengestellt hat, die aus Israel, Palästina, Jordanien und der Türkei kommen. Eine tolle Idee. Auch die roten E-Klasse- Benz des Teams, das vom jordanischen Königshaus gesponsert wird, ist schon am Startzelt.

Und dann geht es endlich los. 08:30 geht das erste Team unter tosendem Applaus der vielen Hundert Zuschauer über die Startrampe. Bei den ersten Teams scheint es ewig zu dauern, immer wieder stellen die Moderatoren Besonderheiten an deen Autos fest und kommentieren sie für die Zuschauer. Ein großartiges Spektakel.

Als wir uns vorzudrängeln versuchen, werden wir wieder nach hinten geschickt - Platz 79 eben. Jetzt heißt es Ruhe bewahren und in Geduld üben. Angeblich ist im Startbereich einem Team der Kühler geplatzt. Warten Warten Warten. Dann endlich kommt das Signal "Team 79 darf fahren". Jetzt wird es ernst. 

Auf der Startrampe bekommen wir noch einen Sonderapplaus für die 17.000 €, die wir für humedica gesammelt haben. Und wir verteilen diese unglaublich coolen Kekse, die Doris für das Team gebacken hat: Team79 Logo, Facebook-Daumen und Kamele. Die Startcrew ist begeistert.

Von der Rampe runter stehen wir gleich wieder: Beladung für die herausfordernden Aufgaben, die unterwegs zu lösen sind. Aus drei Holzbrettern müssen wir unterwegs eine Seifenkiste bauen. Räder gibt's nicht, die müssen wir unterwegs ertauschen - mit dem Sechserträger Bier, den wir auh bekommen haben. Und dann gibt es drei paar Schuhe, die jeweils nicht zueinander passen. Oh no! Bis Istanbul müssen wir mit anderen Teams die Schuhe so tauschen, dass wir drei passende Paare haben! Schnell fotografiert und bei Facebook eingestellt, und das Chaos wird schon irgendwie seinen Lauf nehmen. Außerdem tauschen wir unsere Geige gegen ein Flöte ein. Wir müssen bis Istanbul lernen, Bruder Jacob darauf zu flöten. DORIS!!

Dann gehts die ersten Kilometer zum Alpsee, Roadbook abholen. Die Schwierigkeit dort: Man muss  sich das Roadbook mit Hilfe eines Ruderbootes, eines Schlauchbootes oder einer schwimenden Tür (!)  von der anderen Seite eines Kanales holen. Die Art des Fahrzeuges bestimmt sich daraus, wie gut man drei Wissensfragen beantwortet. Zum Glück bekommen wir das Ruderboot.

Geschafft.

Jetzt endlich auf die Strasse Richtung Österreich, Kilometer abreißen. Wir wollen es eigentlich noch bis Ungarn schaffen, aber es ist schon 13:00 Uhr.

 

 

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Tag 4 - 13.Mai -- Pirdop über Griechenland nach Istanbul

Holger bleibt an der Grenze hängen, Nadir haut uns raus - Anreise von Bulgarien über Griechenland nach Istanbul. Wir trödeln und kommen trotzdem noch als etwas 15. in Istanbul an. Läuft!

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Die Geschichten des Tages

Nach komfortabelen sechseinhalb Stunden Schlaf begrüßt uns ein wunderschöner Morgen - auf dem Fliesenboden der Hotellobby. Erst beim Aufwachen wird mir wieder klar, welchen Jökel wir hier gestern veranstaltet haben. Das Hotelpersonal begrüßt uns überschwänglich und es gibt tatsächlich ein Frühstück für uns. Boah - für so einen Kaffee braucht man mindestens Vordiplom. Da rollen sich die Fußnägel hoch und der Blick geht anschließend stramm geradeaus. Und es dauert eine Ewigkeit, obwohl wir scheinbar die einzigen Gäste in diesem Etablissement sind. Ob die uns Einlaß gewährt haben, weil sie sonst keine Gäste haben? Ulkig ist das Ganze schon, zumal dieses Hotel in allerbestem Zustand ist. Sei's drum - aufsitzen und weiter geht die wilde Fahrt.

Wir fahren durch einen formvollendet-sonnigen Frühlingsmorgen und heute Abend wollen wir Istanbul erreicht haben. Von Pirdop aus geht es weiter über Neben-Nebenstrassen Richtung Plovdiv. Dort wollen wir die Zubringerstrasse Richtung Türkei erwischen und unterwegs noch die eine oder andere Roadbook-Aufgabe lösen.
In der Nähe von Karlojanovo halten wir beim ortsansässigen Bauunternehmer an und lassen uns ein paar Löcher in die Seifenkisten-Bretter bohren. Mit Händen und Füßen erklären wir den Angestellten die Rallye und bedanken uns mit einem Sechserträger warmem Bier. Unterwegs tüfteln wir an der Konstruktion unseres Gefährtes und schangeln darum, wer das Ding wird fahren müssen.
Dann wird unsere Fahrt jäh gestoppt, ein Schwertransport blockiert die komplette Strasse Nummer 8. Mitten am Tag fährt ein abenteuerliches Gefährt im Schneckentempo vor uns her und die letzte sinnvolle Abfahrt liegt gerade hinter uns. Keine Möglichkeit zu wenden und verlieren wertvolle Zeit. Auf dem GPS-Track sehen wir, dass andere Teams mit einer besseren Route unterwegs sind. Mist. Nach einer gefühlten Ewigkeit können wir die marode Kolonne endlich passieren.
Herr Google verrät uns, dass der Baukonzern BauMit den Fussballverein von Haskovo sponsert. Da müsste es doch möglich sein, ein Werbeschild dieses Unternehmens zu fotografieren. Denn eine der Aufgaben des Roadbook lautet, solche Schilder zu finden - und zwar möglichst spät auf der Strecke bis Istanbul. Mit Haskovo müssten wir eigentlich ganz weit vorn sein. Also runter von der Bahn und rein in den Ort. Oha, diese Stadt bezeugt den Niedergang kommunistischer Schwerindustrie. Unfassbar viele heruntergekommene und verfallene Fabrikgebäude säumen die Ausfallstrassen. Mitten im Ort finden wir tatsächlich eine große Baustelle mit riesigen BAUMIT-Fahnen. Chaka! Bei der Ausfahrt aus dem Ort verirren wir uns und landen inmitten eines dieser maroden Industrie-Viertel. Sprachlos finden wir nach einigen Schleifen den Weg zurück auf die Strasse Nummer Acht und cruisen Richtung türkischer Grenze.

Unterwegs entscheiden wir kurzfristig noch einen Schlenker nach Griechenland zu machen. Wir liegen noch gut in der Zeit und ein zusätzlich besuchtes Land ist diesen Umweg alle mal wert. Diese Leichtfertigkeit soll sich aber bald rächen. Wir reißen das Steuer rum und passieren einen verschlafenen Grenzort, der Bulgarien und Griechenland verbindet. Die freundlichen Beamten winken uns noch nach und schon nach 20 Kilometern stehen wir an der nächsten Grenzstation. Diesmal von Griechenland aus in die Türkei. Schnell noch ein Foto an der griechischen Grenzstation und dann rüber.

Doch erstmal müssen wir uns in Geduld üben, denn auf der türkische Seite ist Stau vor der Abfertigungsstation. Und dann fällt Holger plötzlich auf, dass sein Fahrzeugschein fehlt. Oh no, HOLGER HOLGER HOLGER! Nach einigem Herumtelefonieren in diesem Stau wird klar, dass er ihn zu Haus im Kopierer hat liegen. Holger, Du Friseur, das kann doch wohl nicht dein Ernst sein. Und es kommt, wie es kommen muss: Wir bleiben mit der Kopie in der Kontrolle hängen. Und nun? Der unfreundliche Grenzer läßt uns nicht durch und will uns zurückschicken. Die einstündige Wartezeit umsonst? Ganz zurück nach Haus? Auto stehen lassen? NEIN, das kann nicht sein!

Jetzt heißt es Ruhe bewahren und die Geheimwaffe ziehen: Nadir, türkischer Chef des Organisationskomitees. Tatsächlich erreiche ich ihn per Telefon und ein unendlicher Redeschwall zwischen Nadir und dem Grenzer setzt ein. Nadir hat Erfolg und wir wähnen uns schon auf der anderen Seite der Grenze. Doch wir haben die Rechnung ohne den Direktor des Grenzpostens gemacht. Der lässt uns erneut stoppen und stellt klipp und klar fest, dass wir zurück müssen nach Griechenland und über einen anderen Übergang einreisen müssten. Hier ginge das nicht. Sagt's und verschwindet in seinem Büro. Holger und Christoph lassen nicht locker. Hinterher in seine Kemenate und auch ihm erklärt, dass er mit Nadir telefonieren müsse. Nach einigem hin und her lässt er sich erweichen --- und genau jetzt hat das Handy keinen Empfang. Tolle Wurst. Dann endlich zeigt es wieder einen winzigen Balken und tatsächlich kommt ein Gespräch zustande. Lautstark verhandeln die beiden für unverständliche Dinge. Und dann haut der Typ auch noch mit dem Handy ab. Ohne Kommentar lässt er Holger und mich wie die Schuljungen auf dem Gang stehen und kommt eine gefühlt Dreiviertelstunde nicht wieder. Keiner beachtet oder spricht mit uns. Jetzt werde auch ich langsam nervös. Dann endlich kommt der korpulente Amtsleiter zurück und drückt uns mit dem lapidaren Worten 'you can pass' die Papiere in die Hand. Nach ein paar weiteren Wirren mit seinen Angestellten kommen wir mit insgesamt zweieinhalb Stunden Verspätung weiter.
Holger, was für ein fauxpax! Das wird ein teurer Abend für dich

So, jetzt aber Fuß auf's Gas, wir sind ja nicht auf einer Butterfahrt. Der Tag geht bald zu Ende und wir haben immer noch über 200 km vor uns. Leider funktionieren unsere Funkgeräte nur sehr eingeschränkt. Na das wird was werden im verrückten Verkehr von Istanbul. Die Dunkelheit bricht herein, als wir die Stadtgrenze erreichen und jetzt wird es haarig. Bei diesem Verkehr und dem Straßennetz das Ziel finden - eine nahezu unmögliche Sache. But wie did it!!!

Nahezu ohne Schlenker und Umwege treffen wir an der blauen Moschee ein. Was für ein Anblick! Direkt neben Blauer Moschee und Hagia Sophia liegt das Fahrerlager, in dem wir für die nächsten beiden Tage heimisch werden sollen. Mitten drin im pulsierenden Mega-Schmelztiegel Istanbul. Wieder kommt dieses Gänsehautfeeling, das diese Rallye so einzigartig macht.

Nicht einmal 15 Teams sind vor uns eingetroffen, was für ein Erfolg trotz unserer Bummelei. Viele andere Teams sind irgendwo in diesem unübersichtlichen Moloch von Stadt hängengeblieben und kommen weit nach uns rein.

So, noch schnell einen guten Stellplatz sichern, denn übermorgen werden wir in LeMans-Manier starten: Alle gleichzeitig. Da ist eine gute Position nicht zu verachten.

21:00 Uhr --- wir stehen. Das "Anlege-Bier" haben wir uns redlich verdient. Der Abend geht mit vielen kleinen und großen Abenteuergeschichten zu Ende, die wir mit den nach und nach eintrudelnden Teams austauschen. Wunderbar ist zum Beispiel die Geschichte von Team 99, die sich zum Schluss von einer Gruppe Fahrradfahrer kilometerweit hat lotsen lassen, denn sie hatten sich heillos am anderen Ende der Stadt verfranzt. So, Schluss für heute, morgen gibt es mehr zu lesen.

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Tag 2 - 11.Mai -- von Pernegg nach Lugoj

Ein harter Tag: 16 Stunden im Sattel, nur kleine kurze Pausen und coole Aufgaben.

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

Mit einem rauschenden Bach als Hintergrundgeräusch wachen wir um sechs Uhr auf. Gestern abend haben wir es immerhin noch bis Pernegg geschafft. Wir sind bis 23:00 Uhr gefahren, dann war Schluß, mehr ging nicht. In einem Dorf rechts ab bis zum Ende der Strasse, das Wurfzelt auf die Wiese geschmissen und dann einfach nur noch pennen.Mal sehen, wie es heute geht. Landstrassencruising ist schon recht zeitintensiv. In den Autos herrscht schon jetzt ein heilloses Durcheinander. Den löslichen Kaffeee und den Kocher finden wir auf die Schnelle nicht --- dann gibt es die erste Koffeinportion eben später. Zum Glück sind übermorgen die Hilfsgüter raus, dann werden wir Platz haben.Das erste Frühstück besteht aus Wurst und Sultan-Cola - beides haben wir in Unmengen beim Start am Alpsee vom OK in's Auto bekommen. Um viertel vor sieben wird aufgesessen und wir starten Richtung ungarischer Grenze in einen herrlichen Morgen hinein. Nach ein paar Kilometern gibt's Frühstück in einer Tankstelle, die sich als wahre Perle entpuppt. An einem runden Stammtisch gibt es "Verlängerten" und "Braunen" - echt leckere steyrische affeevariationen - dazu Semmeln, Wurst und Käse. Nach dieser ausgiebigen Mahlzeit werden die ersten Kilometer gemacht, durch eine wunderschöne Endalpen-Landschaft von Steiermark und Burgenland.
Kurz vor der Grenze wird auch die erste wichtige Aufgabe gelöst. Nach zwei Fehlversuchen an Tankstellen tauschen wir unsere sechs Flaschen Bier in einem OBI-Baumarkt gegen die Bockrollen, die wir als Räder für unsere zu bauende Seifenkiste benötigen. Wunderbarer Deal. Der Marktleiter will uns die gesamte Ausrüstung schenken, aber wir müssen ja auf den Tausch mit dem Bier bestehen. Den ganzen Deal noch auf ein Foto gebannt und weiter geht es Richtung ungarischer Grenze. Ach ja - und eine weitere Aufgabe konnten wir schon lösen. Irgendwo auf dem Weg sollten wir einen Aufkleber der "Schatzi-Bar" an einen markanten Punkt auf dem Weg kleben. Panzer oder Kernkraftwerk waren Vorschläge. Wir haben allerdings eine "Schatzi-Bar" gefunden -- und den Aufkleber an die Tür geklebt. Von Graz as nähern wir uns der ungarischen Grenze bei Körmend. Hier am Grenzübergang Heiligenkreuz werden 25Jahre alte Erinnerungen wach und ein Gänsehaut-Feeling stellt sich auch nach so langer Zeit noch einmal ein. Ungarn '89, Sommerurlaub am Balaton. An diesem oder einem ähnlichen Grenzübergang haben wir vor fünfundzwanzigeinhalb Jahren auf dem Rückweg gestanden und die ostdeutschen Urlauber gesehen, wie sie ihre Trabbis haben stehen lassen und mit einer Badetasche durch die Maisfelder nach Österreich geflüchtet sind. 'Refugees welcome' kommt mir da in den Sinn. Der Grenzübergang hat sich kaum verändert - und ist doch völlig anders. Die Bedrohlichkeit des Eisernen Vorhanges ist längst der provinziellen Beschaulichkeit eines vergessenen schengener Grenzpostens gewichen. Und doch schlägt diese Wendestimmung dem ost-affinen Reisenden noch volle Pulle entgegen.
Schnell noch ein Grenz-Foto für das Roadbook und weiter geht es Richtung Balaton. Wir wollen diesmal südlich des Plattensees grob Richtung Szeged. Mal sehen, ob das klappt. Mein Telefon erinnert mich daran, dass jetzt Roaming für Ungarn einsetzt. Was Cord wiederum in Panik versetzt, weil SEIN Telefon das nicht macht, Wo ist das blöde Handy. Wir hatten es als Kamera-Stütze beim Selfie an der Grenze benutzt. Oh no -- liegen geblieben. Ok, wir drehen mit Wagen 1 um und rasen mit Warp 7 zurück an die Grenze. Dort: Kein Phone mehr da. Doch mitgenommen? Im auto verbaselt? Doris in der Kameratasche? Oder hat es der Grenzer eingesteckt? Der schwört Stein und Bein, nichts von einem Telefon zu wissen. Schlingel!
Im Augenwinkel hatten wir ein anderes Rallye-Team gesehen, das uns beim Zurückfahren an die Grenze entgegenkam. Die vielleicht? Welches Team war das? Leider nicht online zu ermitteln, gerade jetzt kein Empfang auf dem WLAN-Hotspot. Scheiß-Technik. Cord bekommt einen dicken Hals. Vielleicht können unsere anderen beiden Autos eine Wegsperre machen und dieses Team aufhalten und befragen. Und So kommt es tatsächlich auch. Die hatten das Handy aufgehoben und mitgenommen. Cord ist seelig - das wird aber 40 Liter Bier kosten. Das jedenfalls schlägt die bayrische Besatzung als Lösegeld vor. Nachdem wir uns diesen Bock geleistet haben, folgt gleich der nächste: Eben mal verfahren. Die Stimmung ist hier morgens um halb elf noch nicht ganz weit oben. ... Dafür folgt anschließend eine wunderbare (Neben-) Strecke über Kaposvar. Gut ausgebaute Strassen durch eine wunderbare geschwungene Landschaft mit blühenden Rapsfeldern. Stunde um Stunde zieht sich die Tour - ein Pause ist nötig. Bei dem Stopp stellen wir fest, dass an Auto 2 und 3 jeweils der rechte Blinker fehlt. Unglaublich, aber unsere Experten tippen darauf, dass der Fahrtwind der entgegen kommenden LKW die Ursache war. Jedenfalls kein Unfall und kein Diebstahl, denn vorhin waren die Blinker noch dran. Mittlerweile ist es nachmittag und ein herrliches Wetter begleitet uns. Ein wenig zu warm für unsere Mettenden, die wir zuhauf an Bord haben. Die haben sich zu 'warmen Würstchen' verwandelt - kein grenzenloser Genuß. In der Zwischenzeit haben wir mit Frau Gollnick telefoniert. Sie ist unsere Kontaktfrau für das Kinderheim, dass wir mit nun insgesamt 4 Teams anfahren werden. Drei weitere Teams fahren in das Heim in Alba Iulia. Wir kommen so gut voran, dass wir schon heute abend in Lugoj sein können. Wir verabreden uns für morgen früh, 08:30 uhr am Kinderheim. sie kommt dann aus Temeswar dorthin. Und jetzt zum Abend zieht sich die Strecke auch nochmal. Durch das Stadtgebiet von Szeged haben wir uns wieder ein Stück verfahren, wie schon in Salzburg. Durch schlecht ausgeschilderte Städte fahren - das wird mein neues Lieblingshobby. Und selbstverständlich bleibt das Navi aus!! Wir nähern uns der rumänischen Grenze in der Abendsonne. Hier treffen wir auch mehrere andere Teams. Auch Herma, die ganz vorn gestartet ist. Jetzt muss ich doch mal auf die GPS-Karte gucken. Und tatsächlich - wir sind ziemlich weit vorn. Nur nicht zu laut sagen... ;-) Schnell das Grenzfoto und weiter, eine Vignette kaufen. Hier in Rumänien benötigt man für die Strassenbenutzung insgesamt eine Maut. Wir kommen als erste von der Tankstelle weg und fahren weter über Temesvar nach Lugoj. Ach - und die Zeitumstellung nicht vergessen, hier sind wir eine Stunde weiter. Um 23:30 Uhr Ortszeit erreichen wir unsere Unterkunft für diese Nacht. Purer Luxus - Frau Gollnick hat uns Zimmer in der Pension dariana besorgt. Und tatsächlich sind die Herbergseltern noch wach. Und es gibt tatsächlich auch noch ein Sandwich und dann mit einem Klaps aufden Hintern in die Falle. Sechzehn Stunden im Sattel - wir sind hier ja nicht auf 'ner Butterfahrt. Gute Nacht.

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Tag 0 -- 09.Mai -- Norddeutschland nach Oberstaufen

Whohooo. los geht die wilde Fahrt. Morgen um 06.00 Uhr aufstehen, die Nacht war kurz und unruhig. Ein letztes Mal im weichen Federbett, eine warme Dusche zum Frühstück und Mutters besten Bohnenkaffee.

Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

06:00 Uhr aus den Federn, schnell geduscht und dann noch eben einen Kaffee bei Muttern. 07:00 geht's mit zwei Autos los, die A7 runter Richtung Oberstaufen. Doris und Holger stossen in Homberg/Efze dazu, sind halt Hessen.

Die Wüstensterne laufen prächtig. Nur Nummer 2, GF-AO2015, schnauft in den Kasseler Bergen ein wenig. Zum Glück gibt's keinen Stau so verlaufen die letzten Autobahnkilometer unserer blauen Autos stressfrei.

Der Teamchef hat sich leider vor dem Start noch eine Erkältung eingefangen. Mit jedem Kilometer sieht er schlechter aus.

In Memmingen fahren wir ab - noch eben den Scheck bei humedica vorbeibringen. 17.000 € haben wir bis dato zusammen - ein echter Knaller.Vielen Dank an alle Spender, die zu dieser großartigen Summe beigetragen haben!

Bei humedica in Kaufbeuren werden wir mit großem Hallo empfangen. Frau Vaassen hat extra für uns eine kleine Brotzeit bereitet. Dann erfolgt die symbolische Scheckübergabe mit dem humedica-Gründer Wolfgang Groß. Ein erster richtig schöner Moment unserer Reise, und Wolfgang und Heidi verabschieden uns mit Gottes Segen Richtung Oberstaufen.

Um 18:00 Uhr sind wir dann auch endlich am Ziel: Oberstaufen.

Und was für ein Wooling uns da erwartet. Der ganze Ort ein heilloses Durcheinander von bunten Fahrzeugen, aufgeregten Teams und interessierten Zuschauern. Und mitten im Ort das Festzelt mit der Anmeldung und der Ausgabe des GPS-Trackers. Und natürlich treffen wir die ersten Bekannten, die Cord schon von der letzten Reise kannte oder die wir in den letzten Wochen über Facebook & Co kennengelernt haben. 'Was habt ihr an Bord, 'wo fahrt ihr entlang', 'wo schlaft ihr heute nacht' - die typischen Fragen erwartungsvoller Rallyeteilnehmer.

Dann erstmal die Klamotten zu Sabine bringen. Im Hotel Sabine wollen wir ein letztes Mal die Gliedmaßen in Federbetten ausstrecken, bevor das enge Zelt wartet.

Um 20.00  Uhr sind wir wieder im Festzelt, das eine oder andere Bier probieren und mit der großen Gemeinde der Mitfahrer und der vielen Gäste eine nette Abschiedsparty mit zünftiger Live-Musik feiern.

Und dann kommt auch kurz vor Mitternacht Team 2, Breitengrad an. Mit denen gemeinsam wollen wir 'eigentlich' nach Rumänien in's Kinderheim.

'Eigentlich' - denn fast ist das schiefgegangen. Kurz hinter Braunschweig ist denen am Freitagnachmittag ein Getriebe verreckt. Umkehren, Auto wieder nach Haus   schleppen, dabei das Abschleppseil gerissen. Dann endlich in Braunschweig, Getriebe über eBay in Oldenburg geschossen, 20.00 Uhr hingefahren, abgeholt, Mitternacht wieder in Braunschweig. Samstag morgen auf die Bühne - dabei festgestellt, dass es nicht das Getriebe ist, sondern die Antriebswelle. Zum Autoverwerter gefahren, dort eine Antriebswelle besorgt, eingebaut, überzähliges Getriebe weggeworfen, Hände gewaschen, losgefahren.

Solche Geschichten schreibt nur die Rallye.

Bis Mitternacht haben wir uns im Festzelt vergnügt und auch noch all unsere Partnerteams, die mit uns in die rumänischen Kinderheime fahren.

Ein toller Vor-Rallye-Anreisetag geht zu Ende...

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