Tag 10 - 19.Mai -- von Ankara bis zum Canyon von Ulubey

Abschied von Ankara mit einem weiteren LeMans-Start durch die Stadt Richtung Canyon von Ulubey, unterwegs beim Friseur eingekehrt, der uns beim Entwickeln der Fotos geholfen hat.

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

 

Ich wache zum Glück im Hotel auf. In der Nacht hat es heftig gewittert. Schön anzuschauen, aber im Zelt hätte ich das nicht erleben wollen. Es gibt ein reichhaltiges Frühstück im Hotel Eyna, das erste Mal auf der Reise ist Rührei auf dem Teller. Schon um 08:30 Uhr sind wir zurück auf dem Hippodrom, wo heute Morgen erneut ein LeMans-Start auf dem Programm steht. Das große Gelände besteht aus einer Betongeraden in der Mitte, die so breit ist wie eine Flugzeuglandebahn. Am Ende zweigt eine engere Fahrbahn ab, die kurvig durch das flache Gelände zurück zum Anfang der Piste führt. Bereits um 09:30 Uhr erfolgt die Startaufstellung: Auf der einen Seite der Geraden die Autos, auf der anderen Seite die Teams. Heute zählt ein Minister auf Null herunter. Zum Glück ohne große Ansprache, denn die Teams sind heiß. Wir auch: Lieber tot als Zweiter. Im Sprint geht es zu den Autos, reinspringen und LOS! Unsere Autos standen mit laufendem Motor und wir kommen perfekt weg. Im leichten Rechtsbogen ziehen wir an vielen Teams vorbei. Drei der Wagen, die vor uns liegen, steuern auf das falsche Tor zu, der Weg nach rechts in die Schikane ist frei. Ausgangs der Geraden liegen wir ganz vorn in der Spitzengruppe. In wilder Jagd geht es durch die Rechts/Links-Kombinationen, immer knapp an heftigen Blechschäden vorbei. Auch hier zahlt sich der respekteinflössende Kuhfänger aus. Am Ende des Hippodroms geht es durch's Tor raus in das Strassengewirr Ankaras und auf einer Ausfallstrasse Richtung Polati.

Wir kommen als Zweite der Dritte raus, der Teamchef ist euphorisiert. Jetzt kann was gehen. Wir haben mehr oder weniger alle Aufgaben des Roadbooks erledigt, der Jagdtrieb ist jetzt so richtig geweckt. Das Thermometer zeigt schon wieder 34 Grad. Wir haben jetzt 4.000 Kilometer auf dem Tacho und die Nase noch längst nicht voll. Der Plan sagt, dass wir in Polati eine Pause machen sollen. Gern doch, denn der Stopp bietet Gelegenheit, die Fotos der Aufgaben entwickeln zu lassen. Doch wo finden wir einen Fotoladen. Ach, es ist zu schön in der Türkei. Hier fragt man einfach jemanden auf der Straße vor einem Internetcafe. Der hilft prompt, und führt uns zu einem Fotoladen. Der kann zwar unsere Fotos nicht entwickeln, kennt aber einen, der das kann. Zusammen mit dem ersten Führer bringt er uns der Fotoladenbesitzer zu einem anderen Fotoladen, ein paar Straßen weiter. Unterwegs erklärt er uns wortreich auf türkisch Dinge, die wir nicht verstehen. Im zweiten Fotoladen klappt es dann mit dem Sofortdruck. Damit wir uns verständigen, holt der zweite Ladenbesitzer einen weiteren Türken von Gegenüber. Ich lache mich schlapp, der kann ein paar Brocken holländisch und wir haben eine Menge Spaß. Ehrensache, dass Ralf und ich uns anschließend bei ihm noch frisieren lassen. Mit neuem Haarschnitt geht es dann weiter zu dem Museum Gordian, dem Ort, wo der Gordische Knoten durchschlagen wurde.

Zu Mittag gibt es Fischplatte, von Bahlsen aus der Tüte. :-) Knöpfe-Christoph: Cord lästert wieder mal, als ich unterwegs gleichzeitig Blog schreibe, fotografiere, bei Facebook poste und ihm in der Karte den Weg weise. Er bietet mir dazu das Batterieladegerät an - da seien auch noch ein paar Knöpfe dran, die man bedienen könne. Dazu läuft "extreme ways" von Moby aus den mittlerweile arg verstaubten Kalotten. Groove&Drive - so macht Autofahren auch nach tausenden Kilometern noch Spaß.

Gegen Abend kommen wir in Ulubey an, einer kleinen Ansiedlung am Rande des Canyon, der hier die absolute landschaftliche Attraktion ist. Das hätte mir TripAdvisor schon verraten. Ansonsten ist das hier eher ein verschlafenes Nest, Hotel gibt es keine. Dafür aber einen wundervollen Campingplatz direkt am Canyon mit Blick über den langgezogene Taleinschnitt. Wir bekommen einen guten Platz unter Pinien auf frischem Gras. Echt toll. Abendessen gibt es auf der Terrasse eines Restaurants mit einem Wahnsinnsblick in den Canyon, dazu Rotwein und Sonnenuntergang. Hammmmmmer. Unten im Kessel im Zwielicht sind die ersten Ungeduldigen schon mal probehalberpö auf der morgigenStrecke unterwegs. Selbstverständlich gibt es dabei die ersten Schäden noch vor der eigentlichen Etappe. Hahaha.

Mit den Kollegen vom Team Breitengrad verköstigen wir noch ein paar Gläser Rotwein, ehe der Tag um Mitternacht sein Ende findet. Morgen ist Chinesenrallye durch den Canyon. Vorfreude...! Mit wünschelrutengängerischer Sicherheit steuert Ralf zielstrebig den Rezeptionisten an, um die tatsächlich letzte Holzhütte des Campingplatzes zu ergattern. Dusche für morgen früh ist gesichert. Prima.

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Tag 9 - 18. Mai -- von Corum nach Ankara

Leblebi und Spritpumpe am Morgen, Transfer nach Ankara, unglaublich warm, versunken im Verkehrschaos der Hauptstadt

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

 

Aufwachen auf knallhartem Parkplatz-Beton. Der Tag begrüßt uns heute morgen um 06:30 Uhr mit vielstimmigem Werkzeuggeklapper. Die gestrige Streckenführung hat das Material arg belastet und manchen Schaden hinterlassen der jetzt vor dem Start der nächsten Etappe noch beseitigt werden muß. Auch bei unserem Fahrzeug No.1 muss heute morgen noch eine neue Spritpumpe herbei- und hineingezaubert werden. Zum Glück ist der Start auf 12:00 Uhr verlegt - hoffentlich genug Zeit, um auch noch die 'finde die Kultur'-Aufgaben in Corum zu erledigen. Nach einem weniger üppigen Frühstück (Kebab mit mega-süssem Kaffee) teilen wir uns. Holger besorgt die Spritpumpe, Ralf uns ich erledigen die Kulturaufgabe. Nicht alle Aufgaben erschließen sich sofort - sie sind auf türkisch formuliert. Also ersteinmal jemanden finden, der uns die Aufgabe nach deutsch oder englisch übersetzt.
Genau das ist der Plan der Rallye - mit den Leuten vor Ort in Kontakt kommen. Klappt auch. So erfahren wir, dass wir 1 Kilo Leblebi kaufen sollen und Käüfer und Verkäufer beim Kauf fotografieren sollen. Was ist Leblebi? Leblebi ist eine regionale Knabber-Spezialität, auf verschiedene Weise geröstete Kichererbsen. Ok, los in das Gewusel der Stadt und diese Dinger besorgen. An der zentralen Moschee, die wir auch besuchen müssen, finden wir einen auf Leblebi spezialisierten Händler. Und wieder bin ich von der Türkei schwer begeistert. Statt uns nur das Kilo Knabberkram zu verkaufen, nimmt uns der Händler an die Hand und zeigt uns im Hinterzimmer seinen ganzen Stolz, die Röstmaschine. Mit Händen und Füßen erklärt er uns, wie die Kichererbsen auf unterschiedliche Weise geröstet werden.

Gleichzeitig hat Holger erfolgreich eine Spritpumpe besorgt und dabei eben noch eine Schraube an der Auspuffaufhängung erneuert. In der Werkstatt stehen bereits vier andere Rallye-Autos. Hadschi, der Schrauberkönig von Corum, war gestern Abend im Fahrerlager und hatte seine Dienste angeboten. Dankbar nehmen die Teams, die keine oder wenig KFZ-Kenntnisse haben, dieses Angebot an. Doch vor der Tat gibt es erst einmal Chai satt für alle. In der Werkstatt serviert von einem Typen mit Schlips und Kragen - das ist Style. Auf dem Rückweg kommt Holger nicht durch die Stadt - gesperrt. Ein um's andere Mal versucht er einen Umweg, bis er sich einigermassen im Nirdendwo wiederfindet. Was nun? Doch die Türken halten auch dafür eine Lösung parat: Holger wird von der Polizei per Eskorte mit Blaulicht in's Fahrerlager geleitet. Ach, ich liebe es!

Zurück im Fahrerlager schrauben Cord und Holger das Teil unters Auto. Pünktlich um 12.00 Uhr zu Start sind wir mit allem fertig. Rein in die Autos und raus durch das eilig aufgebaute Start-Tor. Die Tagesetappe ist eher unspektakulär. Über gut ausgebaute Strassen über 200km Richtung Ankara.
Immer im Dreierverband cruisen die Teams mit hoher Geschwindigkeit mal nebeneinander mal überholend durch die sanfte Hügellandschaft unter blauem Himmel und segender Sonne. Wer ungefähr wissen will, wie das Feeling der Rallye heute ist: Den Song "Bang Bang" von Smokie einlegen, Lautstärkeregler auf und die Augen zu. Vor dem geistigen Auge diese Bilder ablaufen lassen. "Bang, Bang - The Race is On"!

In Ankara wird es nochmal richtig haarig. Wir sollen auf der Burg von Ankara Fotos machen und dann zum Hyppodrom, unserem heutigen Fahrerlager. In DEM Verkehr eine echte Höchstleistung, die drei Autos beieinander zu halten. Und das quasi ohne Strassenkarte. Dort, wo wir abbiegen wollen, ist leider eine Baustelle, danach kommt Schnellstrasse ohne Wendemöglichkeit. Danke schön. Dann eben rechts und wieder rechts, wir landen zufällig mitten im Autoschrauberviertel. Eine marode Werkstatt neben der nächsten. Und inmitten der Stadt ein ein großer deutscher Landmaschinenhändler neben einem Händler von chromglänzenden Auspuffendrohren. Ulkige Bilder. Nach unendlichen Schleifen, Umdrehmanövern, Baustellenumfahrungen und Falschabbiegungen sind wir endlich auf dem Hyppodrom. Aber wir bleiben nur kurz, heute soll es mal wieder ein Hotel sein. Google gibt uns Auskunft, dass es direkt in der Nähe Hotel Eyna gibt. Es klappt zum Glück auch mit den drei Doppelzimmern, denn in der Nacht setzt ein fürchterliches Gewitter ein. Und die letzten Teams finden in diesem Hotel keinen Platz mehr. Nach dem Einchecken erstmal die Dusche penetrieren, das Wasser färbt sich braun. Jetzt geht es mir wieder gut. Den Abend beschließen wir in einem türkischen Restaurant, zu dem uns zwei Taxis quer durch die ganze Stadt kutschieren. Als ob es sonst keines gäbe. Für siebzig Euro all in genießen wir die türkische Küche samt zuckersüßem Nachtisch und Kaffee.
Um Mitternacht ist das Licht für heute aus - der Schlaf in diesen Himmelbetten wird uns sicher gut tun.

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Tag 8 - 17.Mai -- von Ilgaz über Bogazkale nach Corum

Chinesenrallye von Ilgaz über Cancirli und Sugurlu nach Bokazkale und von dort offroad nach Corum. Unterwegs Aufgaben erfüllen.

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

 

Heute ist DER Tag. Naja, eigentlich ist bisher jeder Tag besonders. De heutige und der morgige Tag stehen im Zeichen der Chinesen-Rallye. Im Roadbook sind eine Reihe von Landmarken und Kilometerangaben verzeichnet, mit denen wir von Ilgaz über Bokazkale nach Corum navigieren müssen. Entlang der Strecke warten kleine Aufgaben, Orte finden, kulturelle Objekte fotografieren und historische Stätten besuchen. So sehen wir heute eine Menge von der 'wahren' Türkei, auch wenn den einzelnen Stationen am Ende doch wieder nicht soviel Zeit bleibt. Denn spätestens um 20.00 Uhr müssen wir in Corum sein. Da wird heute vom gesamten Rallye-Team ein Konzert gegeben. Mit den mitgebrachten und gegenseitig getauschten Instrumenten sollen wir 'Fußball ist unser Leben' darbieten. Auf diesen Höhepunkt deutscher Liedkunst warten wir schon gespannt.

Doch erstmal Chinesen-Rallye. Die meisten Angaben im Roadbook sind so detailliert, dass die Navigation viel einfacher ist , als erwartet. Wir fahren durch eine karge Landschaft. Jedenfalls hat das zunächst den Anschein. Bei genauerem hinsehen erkennen wir aber Reis- und Getreidefelder, die zum Tal hin immer üppiger werden. Die Sonne brennt gegen Mittag schon erbarmungslos, als wir in Bogazkale ankommen. Dort und auf der nahegelegenen Hattusa-Burg müssen wir die ersten 'finde die Kultur'-Aufgaben erledigen. Gut gemacht, denn so müssen wir uns zwangsläufig ein Stück weit mit Kultur und Geschichte der Türkei auseinandersetzten. So lernen wir z.B., dass hier die Hethiter vor dreieinhalbtausend Jahren lebten.

Entlang der Straßen auf den Dörfern sehen wir heute viele Menschen, die uns richtiggehend zujubeln. In jedem Dorf werden wir auf's Neue vor allem von den Kindern begrüßt. Sie haben schnell gelernt, dass es vom einen oder anderen Team kleine Geschenke oder Süßigkeiten zu ergattern gibt. Es herrscht eine wundervoll herzliche Stimmung. Doch auch wir bekommen Geschenke. Ralf und Anja halte an und bekommen eine Art warmes gefülltes Brot geschenkt. Wir haben zwar gerade gegessen, es schmeckt aber trotzdem sehr lecker.
Spätestens nach dem heutigen Tag habe ich die Türkei und ihre Bewohner tief in mein Herz geschlossen.

Der Spaß fängt an, als die 4x4-Strecke beginnt. Keine Frage, die nehmen wir natürlich volley mit unseren Wüstensternen. Ausweichstrecke kommt auf keinen Fall in Frage. GoPro und Kamera liegen bereit und los geht's. Schon nach 200 Metern die erste Panne, bei Fahrzeug eins gerissen. Seitenwand an einem scharfen Stein aufgeschlitzt. Na dann eben den nächsten Reifen, wir haben ja ein paar auf dem Dach. Nur blöd, dass wir jetzt vorn rechts nicht mehr Alufelge fahren. Der Style leidet.

Anschließend folgt eine 4x4-Strecke vom Feinsten. Hügelig, schotterig, tiefe Löcher und Wasser. Ach wunderbar, der kleine Fluss kreuzt unsere Strecke in den Tälern mehrfach. Raus aus dem Wagen, vorlaufen mit GoPro und Kamera und dann mit Vollgas durch das Wasserloch. Wasser spritzt in Fontänen und Steine fliegen in hohem Bogen. Extrem coole Action, so muss das! Im nächsten Wasserloch verlieren wir einen weiteren Frontscheinwerfer - egal. Wir sind nicht die Einzigen, die Fahrzeugteile einbüßen. Manuel vom 'Ötztaler Mopedmarathon' zerschlägt seine Seitenscheibe, nachdem er gestern schon den Kühler eingebüßt hat. Bei JustForLife ist bei einem Wagen der Rückwärtsgang ausgefallen und der Endtopf abgerissen. Guter Sound. Team 99 verliert die Frontschürze bei einem ihrer T4-Busse. Und wir sehen gleich mehrere Teams beim Reifenwechsel. Nach mittlerweile gut 3.000 Kilometer Beanspruchung bleiben die Schäden aber noch sehr überschaubar. Insgesamt 16 Kilometer offroad, ein irrer Fahrspass.

Wir essen in Alacahöyük, wo wieder eine Kultur-Aufgabe zu lösen ist. die Pause ist nötig, denn nach diesem Offroad-Exzess müssen wir das Erlebte unbedingt besprechen. Das Essen ist der Hammer, einfach aber sehr lecker. Es gibt Köfte und Kebab. Insgesamt ist mutet die Reise eher an, wie eine "Entschlackungskur": Schwitzen, wenig Essen, viel trinken. Vielleicht merkt meine Waage zu Haus das auch.

Dann geht's weiter und an der nächsten Ecke wieder ein Schild, wo 4x2 nach rechts oder 4x4 nach links gewählt werden kann. 'Forscher hier entlang' lautet die Devise und wir biegen nach links. Nach einem weiteren Teilstück von 6 Kilometern werden wir wieder auf eine normale Straße geleitet und wir setzen den Weg nach Corum fort. Gegen 19.00 Uhr kommen wir an - doch unser heutiger Campingplatz lässt uns ungläubig schauen. Wir campieren auf einem riesengroßen Parkplatz. Beton statt Federbett, nun gut. Die Infrastruktur, Essen, Trinken und Hygiene bezeichne ich mal großzügig als 'rudimentär'.

Anja bemerkt, dass es unter Auto 1 tropft. Drunterlegen und schnüffeln: Es ist Sprit. Oha, nach ein paar kundigen Handgriffen von Holger sieht es zunächst nach einer aufgerissenen Spritleitung aus. Später stellt sich heraus, dass es die Spritpumpe erwischt hat. An der Börtelung ist das Gehäuse gerissen, leider Totalschaden. Stehen wir also wieder vor der Herausforderung, in kürzester Zeit ein Ersatzteil zu beschaffen. Jetzt und hier am Sonntagabend ist das nicht zu schaffen. Mal sehen, was morgen geht.

jetzt ist erstmal der Abend, an dem das gesamte Rallyeteam den kulturellen Austausch pflegt. Nachdem Bürgermeister, Abgeordnete und Wilfried ihre wichtigen Begrüßungsworte gesprochen haben, bieten unsere Gastgeber regionale Tänze und Singspiele dar. Ganz nett anzuschauen. Danach kommt das Unvermeidliche, die Rallyeteilnehmer müssen auf die Bühne. Der gesamte Rallyetroß und viele Einheimische sitzen in einer Art Colloseum auf der Tribüne. Geschätzt eintausend Menschen verfolgen das Spektakel und die Stimmung ist toll. Auf den mitgebrachten und getauschten Instrumenten wird 'Bruder Jacob' aufgeführt. Auch Doris hat das Stück auf unserer Flöte eingeübt - selbst auf der 4x4-Strecke. Ha! Zunächst hört sich das Ganze an wie Katzengejammer, doch bei der zweiten 'Strophe' geht's schon. So gut, dass die Menge "Zugabe" skandiert. Ok, also noch "Fußball ist unser Leben" hinterher. Über Qualität lässt sich streiten.

Leider ist es fürchterlich windig in der Arena und auch auf unserem 'Betonzeltplatz', so dass der Abend schnell und unspektakulär zu Ende geht. Noch ein Stück Hühnchenauf den Grill, eine Dose Efes durch die Kehle rinnen lassen und dann ab in's Zelt.

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Tag 7 - 16.Mai -- von Riva nach Ilgaz

Der erste kleine Offroad-Geschmack, es werden Dachziegel abgeliefert und wir fahren in's Skigebiet.

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

 

Ein wunderbarer Morgen am Meer begrüßt uns zu unserem kargen Frühstück. Ein paar Straßenhunde streunen durch das Fahrercamp, doch bei uns gibt es heute nichts zu holen. Essen wird überbewertet, das habe ich auf dieser Reise schon gelernt. Die Grillwurst von gestern Abend wird noch eine Weile vorhalten müssen. Cord kommt vom Strand herauf, er hat das Nachtlager unter freiem Himmel gewählt. Ich habe den kaputten Kühler als Kopfkissen benutzt. Doofe Idee. Holger, Doris,

Wir fahren los, heute geht es zunächst zurück Richtung Istanbul. Es gilt eine Straße zu finden, die so klein ist, dass sie auf keiner Karte verzeichnet ist. Auch Google weiß für 'Hurriet-Straße' keinen Rat. Zumindest kennen wir den Stadtteil, ein erster rudimentärer Anhaltspunkt. Unterwegs werfen wir an einer Tanke noch einen Kaffee ein. Wir wissen eigentlich nicht genau wo es langgeht, aber eine Reihe von Teams folgt uns. Auch in dem Moment, als wir uns das erste Mal an diesem Tag verfahren. Ein lustiges Bild, als 12 Fahrzeuge in einer kleinen Seitenstraße wenden müssen.

Das Wetter ist prächtig, morgens um 09.00 Uhr messen wir schon 25 Grad. Später gegen Mittag steigt das Thermometer auf über 33 Grad, zuviel für manch ein in Ehren gealtertes Rallyefahrzeug. Über den Tag fallen gleich reihenweise Autos mit überhitztem Kühler aus. Wir passieren eine Reihe von Teams mit offenen Motorhauben. Bei vielen geht diese Situation glimpflich aus. Aber Manuel vom Team 'Ötztaler Alpenmarathon' erwischt es voll. Beim seinem Mercedes platzt der Kühler; das kommt uns irgendwie bekannt vor. 'Er saftelt' ruft uns seine junge Teamkollegin im Vorbeifahren zu - so charmant kann man das wohl nur als Österreicherin ausdrücken. Bilder in meinem Kopf... :-)
Die Kommunikation mit den türkischen Monteuren und Taxifahrern löst Manuel geschickter als wir: Google translate! Schöne neue Welt.

In der Hurriet-Straße sollen die Teams die Dachziegel abliefern, die sie am Start in Oberstaufen bekommen haben. Hier auf einem Hügel der Stadt, dem "Rallyepark", entsteht so in den Jahren eine Art "Jugendbegegnungsstätte". Die Stadt hat das Gelände der Rallyeorganisation zu diesem Zweck für 49 Jahre kostenfrei zur Verfügung gestellt. Toll.
Man merkt, dass die Rallye viele Teams und Teilnehmer auch vor mentale Herausforderungen stellt. Sechs Menschen sollen drei Wochen lang unter extremen Bedingungen als Team zusammen funktionieren. Bei einigen Teams zeigen sich da schon nach den ersten 'Situationen' sichtbare Abnutzungserscheinungen. Eben gerade gab es ordentlich 'Zickengeschrei' neben uns im VW-Bus. Oha, ob die beiden Mädels noch weiter zusammen fahren können? Vielleicht ist dies die wichtigste Prüfung der gesamten Rallye: Gemeinsam als Team funktionieren, im Extremen und in Krisen. Das gilt natürlich auch für uns. Wieder etwas gelernt...

Vom Rallyepark aus geht es nach Ilgaz, 470 km über gut ausgebaute Straße. Vielleicht etwas zu langweilig, aber es geht gut voran. Unterwegs immer wieder die Erlebnisse von herzlicher Gastfreundschaft. Im Stau auf der Autobahn bekommen wir von einem Türken unaufgefordert eine kleine Schale frische Erdbeere und leckere Pfirsiche gereicht. Das stellen wir uns jetzt mal andersherum vor, Stau auf deutscher Autobahn, türkische Gäste, deutscher Autofahrer ...

Am Nachmittag kommen wir in Ilgaz an. Zum Glück haben wir auf der Webseite des Ressorts, zu dem wir heute fahren, ein Foto entdeckt. Mit diesem Foto fragen wir Passanten in der Stadt nach dem Weg. Von wegen in der Stadt: Wild gestikulierend weisen uns die Männer den Weg aus der Stadt weit in die Berge. Und jetzt wird es lustig. Nach 12 Kilometern treffen wir auf eine Art Autobahnbaustelle, in die wir einbiegen müssen!! Wohooooo - der schotterige Unterbau der Straße ist in Bau, genau das richtige Geläuf für ein echtes Rennen. Ein schweizer Team ist vor uns -- ich kann es nicht leiden, wenn ich Zweiter bin. Die Augen werden schmal und in wilder Fahrt geht es in die Baustelle hinein. In einer riesigen Staubwolke liefern wir uns ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Mercedes will unbedingt - und ich auch! Vorbei an dem rostigen V70, wäre doch gelacht. Rechts ausscheren, links blinken und dann doch rechts auf der Gegenspur vorbei, ein Riesenspaß. Fast steht der Wagen in voller Fahrt quer, der Teamchef mahnt, dass die Beulen im Dach erst in Jordanien gemacht werden sollten. Schade, heute noch keine Eskimorolle! :-)

Völlig eingestaubt kommen wir nach einigen Kilometern Piste an einem Wintersportressort an. Kleines Hotel und großer Campingplatz mitten im Off. Wir kommen als vierte an, schon wieder eine reife Fahrleistung. Wir stellen die Autos auf den terrassenförmigen Platz und buchen zwei Zeltplätze und ein Zimmer, damit wir duschen können. Beim Auffahren auf den Platz fährt der Schweizer mit dem einem Vorderrad in ein tiefes Loch, setzt auf und reißt sich gleichzeitig den anderen Vorderreifen kaputt. Kommt davon!

In den nächsten Stunden kommen die Teams nach und nach ein und füllen den Platz. Vorm Hotel wird leckeres Huhn und Köfte gegrillt und im Fladenbrot mit Salat serviert. LECKER. Anschließend planen wir in der Bar für die Chinesen-Rallye, die morgen vor uns liegt. Die Karten zurechtlegen und entscheiden, ob wir 4x2 oder 4x4 fahren. Hahahaha, als ob das eine Frage wäre, Brot und Spiele...

Heute geht es früh in's Zelt, um 23:30 Uhr ist der Akku alle. Gute Nacht.

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Tag 6 - 15.Mai -- Von Istanbul nach Riva

Sensationeller vierter Platz beim LeMans-Start am Morgen und geplatzter Kühler mitten in Istanbul - heute ist Tag der langen Messer.

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

Heute heißt es Abschied nehmen von Istanbul. Viel gesehen haben wir nicht von der Stadt. Wiederkommen ist Pflicht, denn diese City hat wirklich eine Menge zu bieten.
Der Tag beginnt mit Frühstück um acht, man kann also von einer Art von 'Ausschlafen' sprechen. Ein letztes Frühstück im Rooftop-Restaurant, auschecken und ab zum Fahrerlager. In der Nacht sind die letzten Nachzügler angekommen und versperren unsere eigentlich gute Startposition. Am heutigen Tag geht es darum, nach dem Startschuss in möglichst kurzer Zeit bis zur Bosporus-Fähre zu gelangen. Und das mitten im 'normalen' Stadtverkehr dieser chaotischen Megacity. Wir sind gespannt, wie das klappen soll. Und heute werden wir zu acht in den Autos fahren. Unsere beiden Groupies sollen bis zur Fähre mitfahren.

Vor der Bühne treffen sich die Teams für die Verabschiedung. Viele Hochdekorierte, Bürgermeister und Minister fühlen sich genötigt, blumige warme Worte an die versammelte Mannschaft zu richten. Die Spannung steigt erst, als Wilfried (OK-Chef) mit dem Europa-Minister auf türkisch von zehn zum Start herunter zählt. Wahnsinn, was dann bei 'Null' passiert. Die Teams sprinten in einem heillosen Durcheinander zu ihren Autos, manche stolpern übereinander, Motoren heulen auf, Reifen quietschen und ein mit wildem Gehupe geht es durch das Start-Tor in Richtung Fährhafen. Neben und hinter uns verkeilen sich Autos ineinander und mehr durch Zufall tut sich vor uns eine Lücke auf. Und spätestens jetzt wird uns klar, dass die Idee mit den Kuhfängern eine richtig gute war. Die weiß getünchten Stahlrohre flößen allen anderen Verkehrsteilnehmer den nötigen Respekt ein und selbst der Peterwagen der Stadtpolizei macht uns Platz. Holger räumt als Führungsfahrzeug die Straße frei und die beiden anderen Wüstensterne rasen hinterher. Unter lautem Jubel der Passanten jagen wir die engen Straßen hinunter, Fußgänger springen aus dem aus dem Weg und die eine oder andere rote Ampel wird schamlos ignoriert. Ein letzter U-Törn unten auf der Küstenstraße und völlig überraschend kommen wir mit einem sagenhaften vierten Platz vor der Fähre ein. Hammer, eine echt blitzsaubere Team-Leistung. Unter lautem Jubel raus aus dem Auto, das Fährticket mit dem Zeitstempel lösen und abklatschen. Was für ein Auftakt dieses Rallye-Tages. Auf der Fähre treffen wir das Team der 'Wadi-Beisser'. Die sind erst heute Morgen um sechs in Istanbul angekommen, eineinhalb Tage Verspätung. Dreimal sind die Sechs mit Pannen liegengeblieben. Einspritzpumpe, Kühler und Getriebe - mittlerweile kennen sie jedes Aggregat mit Vornamen. 40 Stunden seien sie durchgefahren - man kann es ihnen glauben, denn solche Augenringe habe ich noch nicht gesehen.

Vom Fährhafen aus müssen wir einen bestimmten Bahnhof suchen und dort mit einer Künstlerin, die dort ausstellt, ein Foto machen. Doch der Verkehr, ein Gewirr aus Einbahnstraßen und etliche Baustellen machen diese Aufgabe zu einer echten Prüfung für Mensch und Material. Und unser Material besteht diese Prüfung nicht. Ohne Vorwarnung platzt an einer Kreuzung der Kühler von Doris und Holgers Mercedes. Eine dicke Wasserdampfwolke steigt aus dem Motorraum, eine Wasserlache unter dem Auto und die Diagnose ist sofort klar: Totalausfall des Kühlers. Und das mitten in diesem Moloch. Nun ist er da, der GAU. Wir hatten wohl zuviel Glück in den ersten Tagen.

Was jetzt folgt, macht das Team Südheide endgültig zur Legende. Vom Stehenbleiben bis 'Motor läuft wieder' vergehen 122 Minuten! Rekordverdächtig. Nachdem sich Holger und Cord mit sorgenvoller Miene in den Motorraum gebeugt haben muss ein Plan her. Ausbauen des Kühlers ist kein Problem, aber woher Ersatz beschaffen? Und jetzt zeigt sich die wahre Gastfreundschaft unseres türkischen Gastlandes. Schon nach kurzer Zeit steht ein Taxifahrer neben uns und fragt nach unserem Problem. Es entwickelt sich ein unglaublicher Dialog, denn weder auf Deutsch noch auf Englisch ist eine Konversation möglich. Mit Händen und Füßen reden wir 1a aneinander vorbei. Während wir abschleppen und ihn voran fahren lassen wollen, will er uns wohl einen neuen Kühler von irgendwoher besorgen. Oder auch nicht. Oder was anderes. Er telefoniert und schreibt gleichzeitig Fahrzeugdaten auf. Wir wollen in unsere Autos steigen und er will einen vom Team in sein Taxi laden. Schließlich scheinen wir uns darauf geeinigt zu haben, einen Kühler von irgendwoher zu holen und Holger und Groupie Andreas steigen zu ihm ins Taxi. Der Rest der Mannschaft bleibt am 'Unfallort'. Nach einer Odyssee durch das Einbahnstrassengewirr hält das Taxi in 'Werkstatt-City', einem Stadtteil voller Autowerkstätten. Aber an Stelle eines neuen Kühlers steigt lediglich ein älterer Monteur zu, einen 17er, einen 19er und einen Schraubenzieher in der Hand. Zum Glück kommt in einem zweiten Fahrzeug tatsächlich ein Originalkühler und auch noch zwei weitere Monteure. Gemeinsam bauen sie den Kühler für uns ein und wir können nach kaum mehr als zwei Stunden Standzeit unsere Fahrt Richtung Riva fortsetzen.

Während dieser Aktion ist nahezu jedes Rallye-Team an uns vorbeigekommen. Dass wir am Ende trotzdem längst nicht als letze ankommen macht unser Team definitiv zur Legende. Die Weiterfahrt ist auch nicht von schlechten Eltern. Der Ost-Teil der Stadt besteht mehr oder weniger nur aus Einbahnstraßen und wenn es mal keine gibt, dann ist Baustelle. Wie schön wäre es jetzt, auf die Autobahn fahren zu können. Aber nein, wir wollen auf die Küstenstraße Richtung Norden. Und das dauert. Ein Wunder, dass wir uns hier nicht verloren haben. Heute funktioniert die Kommunikation mit unseren Funkgeräten einwandfrei.

Die letze Aktion des Tages ist ein Fußballspiel einer Manschaft der Rallye-Teilnehmer gegen eine türkische Auswahl. Wir unterliegen leider 0:1, auch wenn unsere Mannschaft die reifere Spielanlage zeigt. Anschließend bringen wir dem türkischen Fussballverband unsere Geschenke dar. Team Südheide übergibt zwei Wimpel, einen vom SC Borgfeld, einen vom SV Werder Bremen. Alles in allem wenig spektakulär.

Von dort fährt der gesamte Tross noch nach Riva, einem Küstenort am nördlichen Ende des Bosporus. Wir lagern auf einem wunderbar gelegener Campingplatz mit Blick auf das Meer. Den Grill an, Würstchen drauf und lecker Abendessen. Die Betreiber des Campingplatzes versuchen uns noch anständig übers Ohr zu hauen, als es um das Bezahlen des Zeltplatzes geht. Nicht mit uns!! So, ein Uhr nachts geht's in die Kiste.

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