Tag 18 - 27. Mai -- von Qian Khana durch die Wüste nach Amman

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Militärische Begrüßung am Morgen und dann „kütt de Prinz“ in die Wüste, der Haschemit wird mein Freund; es wird Deutsch gesprochen an der Uni von Amman und wir genießen die jordanische Küche.

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

 

Am Morgen wachen wir durch dröhnende Dieselmotoren und quietschende Kettengeräusche auf. Die jordanische Armee hat sich mit schwerem Gerät in einem Halbkreis um uns aufgestellt. Und natürlich schießen die Gerüchte ins Kraut, denn der Rallyefahrer an sich ist auch eine Tratschtante. Ist ‚His Royal Highness‘ lediglich um unser Wohlergehen besorgt und schirmt uns von der naheliegenden syrischen Grenze ab? Oder handelt es sich doch um ein Manöver, wie man ein Flüchtlingslager vor Angriffen der ISIS schützt, die direkt hinter der syrischen Grenze in Stellung liegen? Das ist natürlich alles Quatsch, denn später stellt sich heraus, dass es wohl eine Sicherheitsmaßnahme zum Schutz der königlichen Familie war, die uns später am Tag besuchen wird. Aber auch das sind nur Gerüchte und Spekulationen.

Der Morgen startet mit einer Fahrt durch kreuz und quer durch die Wüste. Voran fährt eine Art 'Follow Me'-Fahrzeug, wir können uns also (leider) nicht verfahren. Mitten in der staubigen Wüstenetappe führt uns dieses Führungsfahrzeug zu einem Zelt beim UNESCO Weltkulturerbe ‚Cuseir Amra. „De Prinz kütt“, hätte der Kölner Karnevalist gerufen: Der Schirmherr der Rally – Kronprinz Hussein Bin Abdullah II. – gibt sich die Ehre und schüttelt freundlich ein paar Hände. In brauner Hose und schwarzen T-Shirt kommt er eher angenehm bodenständig als distanziert-feudal daher. Sehr angenehme Erscheinung. Wir hören, dass er leider an der Siegerehrung am Freitag nicht teilnehmen kann. Ein Mitglied des Königshauses tritt am Freitag bei der FIFA-Wahl gegen Sepp ‚Doofmann‘ Blatter an. Ich hab die Haschemiten in mein Herz geschlossen! Für den Rallye-Tross hat der Prinz auch hier wieder reichlich Erfrischungen auffahren lassen.

Erfrischt und gestärkt geht es weiter und zurück Richtung Zivilisation. Ein Besuch der ‚German University‘ in Amman steht auf dem Programm. Seit einiger Zeit gibt es eine Partnerschaft zwischen der Rallye und diese Uni. Im letzten Jahr hat die Rallye einige Stipendien finanziert. Eine weitere, gute Charity-Geschichte unserer Reise. Auf dem Weg dahin kann Cord seine ganzes Navigations-Geschick zeigen. Irgendwie überholen wir das Führungsfahrzeug und den ganzen Rallye-Tross und sind weit vor der Meute zurück in der Stadt. Zielsicher steuert Cord uns trotz schlechtem Kartenmaterial Richtung Uni. Dort (als Dritte) angekommen haben wir die Gelegenheit mit einigen Studenten zu sprechen. Wir sind erstaunt, denn viele von ihnen waren schon für ein oder zwei Jahre in Deutschland. Die meisten von Ihnen in Hamburg. Ein bisschen ulkig ist die Situation schon. Die Studenten sind gut gekleidet und fröhlich und stehen uns ungeduschten und in verdreckten Autos sitzenden ‚Typen‘ gegenüber. Guter Eindruck geht anders. Als wir erzählen, dass uns die 45 Grad Außentemperatur ganz schön zusetzt lachen sie und erklären, dass des in den Sommermonaten noch viel heißer wird. Oha, das war also erst ‚Frühling‘!
Auch hier wird wieder jede Menge Ess- und Trinkbares für uns aufgetischt. Holger und Carsten lassen am Getränkestand Cola-Dosen mit unserem Team-Logo bekleben. Hoch lebe Südheide 79! Carsten hält sich damit aber nicht lange auf – er hat die Fressbude entdeckt. Einmal mit Alles bitte. Noch bevor wir an diesem Stand ankommen hat er bereits die ersten beiden Portionen jordanisches ‚HotDog‘ bereits verputzt. Als ob es morgen nichts mehr gäbe. Dieses kulinarische Geschenk treibt ihm aber ordentlich die Röte in’s Gesicht. Nicht vor Scham, sondern weil auch der Wüstenbewohner scharfe Chillischoten anzubauen versteht. ;-)

Endlich gibt es hier auch wieder WLAN. Die Tage ohne WhatApp und Facebook waren für Cord und Doris hart – und jetzt wird gesurft, was das Zeug hält. Schließlich muss der bereits in die Heimat zurück gekehrte Christoph mit Text und Bild versorgt werden. Derweilen werden auf dem Platz vor der Uni Tänze und andere kurzweilige Kultur angeboten. Holger und Carsten machen Augengymnastik. Als Cord und Doris 'mit Internet' fertig sind, steht kein Versorgungsstand mehr. Doris bleibt hungrig. Es stellt sich auch raus, das die Buden gar nicht für die Rallye aufgebaut waren - es ist irgendeine Art 'Feiertag'. Oh was sind wir für Kulturbanausen... Christoph schreibt uns später, dass der Feiertag "Lailat al-Miraj (Nacht der Himmelfahrt)" heißt. Aha, wieder was gelernt. Wir sind ja auf so einer Art 'Bildungsreise'.

Der Tag endet mit einer Fahrt zum Park Alhuseein, wo wir unser letztes Nachtlager unter freiem Himmel aufschlagen. Da hat es sich mit unseren Navigationskünsten aber reichlich erledigt! Cord, der Wüstenfuchs, hat an der Uni den Weg gegooglet. Hätte erlieber bleiben lassen sollen. Wir fahren also vor, eine Meute anderer Teams brav hinterher. Die denken, dass wir uns auskennen. Denken wir auch -- bis die Straße zu Ende ist. Falsche Abfahrt genommen, oh wie peinlich. Wir müssen umdrehen, an allen vorbei und zugeben, dass wir gar und überhaupt nicht wissen, wo es längs geht. Haha, da ist er hin, der Mythos. Ein paar Einheimische weisen uns dann den richtigen Weg. An einer roten Ampel (habt ihr da echt angehalten? Warmduscher!) quatscht Holger zwei Harley-Fahrer an - 'sind wir noch auf dem richtigen Weg?' Die Jungs haben gleich ihren Warnblinker eingeschaltet und sind vorweg gebraust. Wir und alle anderen brav hinterher. Rechts, links, immer schön Handzeichen, alles supi. Läuft! Dann biegen die beiden Typen plötzlich ab - Tankstelle. Alle hinterher.
Die Augen werden groß: Statt zu tanken fragt uns der eine, was wir trinken wollen. Wir wären seine Gäste; alle 30, die er im Schlepptau hat! Da ist er wieder, dieser unglaubliche Rallye-Spirit. Wo man auch hinkommt - es gibt immer Leute, die einen umhauen. Also Pause gemacht, Getränke geholt, gequatscht. Bei der Weiterfahrt ist dann eines der Mädels aus einem anderen Team bei ihm auf die Harley gestiegen. Hat sich seine Gastfreundschaft als doch gleicht gelohnt - es sei ihm gegönnt. ;-)
Die Mopedjungs bringen uns schnurstracks bis zum Park. Dort machen wir noch ein paar gemeinsame Fotos, Holger bekommt ein jordanisches Tuch und eine Visitenkarte von einem der beiden. Das auf dem Platz herumstehende Militär ist 'not amused' über die Fotosession. Es scheint so, als würden sie die 'Vereinsfahne' der Mopedfahrer nicht mögen. Bei näherem Hinsehen mutet die auch ein wenig nach 'Hells Angels' an. ...

Gegen abend gibt es noch ein Fussballspiel von ein paar Rallye-Jungs gegen eine jordanische Mannschaft. Das Ergebnis ist nicht überliefert. Ralf und Anja hatten heute ihren freien Tag und erkundeten Land und Leute auf eigene Faust. Die anderen vier sind am Abend noch mit den großartigen Jungs vom Team Breitengrad in Amman-City unterwegs gewesen. Die Taxifahrt dorthin ist abenteuerlich. Der Taxifahrer stellt sich blöd und kennt sich gar nicht aus. Als Alex, Team 2, ihm erklärt, wo wir hinwollen, verlangt er mehr Geld. Zack, anhalten aussteigen! Ok, bevor wir aussteigen, ist er doch einverstanden. Nach dem Wiederlosfahren wieder nicht mehr. Eine echte Odyssee. Im Restaurant angekommen probieren wir gemeisam die Köstlichkeiten der jordanischen Küche. Es gibt eine unglaublich leckere Vorspeise und ‚grilled mix‘. Überraschend laden uns die Breitengrader Freunde ein – als Dank, an manch eine kollegiale Unterstützung. Das Lob können wir nur zurück geben! Team Breitengrad sind echte Kerle! Eigentlich hätten wir sie einladen müssen, denn die letzten Fotos für unser Roadbook dürfen wir bei Alex auf dem mobilen Drucker ausdrucken. Danke sehr! Zurück im Park Alhuseein schlürfen wir noch ein wunderbares Getränk, bevor die Nachtruhe beginnt. Hatte ich davon schon berichtet? Team Breitengrad verfügt über eine mobile Espresso-Maschine, Handpresso. Wasser im Topf erhitzen, mit einer Art Luftpumpe Druck erzeugen und mit Druck und heißem Wasser einer Art Kaffeepad das schwarze Gold entlocken. Cooler Scheiß!

Ein letztes „Gute Nacht , Pa“ – „Gute Nacht, John-Boy“, und die Lichter gehen für heute aus.

Bilder des Tages

 

Sponsor des Tages

http://oyten.rotary1850.org/

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