Tag 6 - 15.Mai -- Von Istanbul nach Riva

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Sensationeller vierter Platz beim LeMans-Start am Morgen und geplatzter Kühler mitten in Istanbul - heute ist Tag der langen Messer.

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

Heute heißt es Abschied nehmen von Istanbul. Viel gesehen haben wir nicht von der Stadt. Wiederkommen ist Pflicht, denn diese City hat wirklich eine Menge zu bieten.
Der Tag beginnt mit Frühstück um acht, man kann also von einer Art von 'Ausschlafen' sprechen. Ein letztes Frühstück im Rooftop-Restaurant, auschecken und ab zum Fahrerlager. In der Nacht sind die letzten Nachzügler angekommen und versperren unsere eigentlich gute Startposition. Am heutigen Tag geht es darum, nach dem Startschuss in möglichst kurzer Zeit bis zur Bosporus-Fähre zu gelangen. Und das mitten im 'normalen' Stadtverkehr dieser chaotischen Megacity. Wir sind gespannt, wie das klappen soll. Und heute werden wir zu acht in den Autos fahren. Unsere beiden Groupies sollen bis zur Fähre mitfahren.

Vor der Bühne treffen sich die Teams für die Verabschiedung. Viele Hochdekorierte, Bürgermeister und Minister fühlen sich genötigt, blumige warme Worte an die versammelte Mannschaft zu richten. Die Spannung steigt erst, als Wilfried (OK-Chef) mit dem Europa-Minister auf türkisch von zehn zum Start herunter zählt. Wahnsinn, was dann bei 'Null' passiert. Die Teams sprinten in einem heillosen Durcheinander zu ihren Autos, manche stolpern übereinander, Motoren heulen auf, Reifen quietschen und ein mit wildem Gehupe geht es durch das Start-Tor in Richtung Fährhafen. Neben und hinter uns verkeilen sich Autos ineinander und mehr durch Zufall tut sich vor uns eine Lücke auf. Und spätestens jetzt wird uns klar, dass die Idee mit den Kuhfängern eine richtig gute war. Die weiß getünchten Stahlrohre flößen allen anderen Verkehrsteilnehmer den nötigen Respekt ein und selbst der Peterwagen der Stadtpolizei macht uns Platz. Holger räumt als Führungsfahrzeug die Straße frei und die beiden anderen Wüstensterne rasen hinterher. Unter lautem Jubel der Passanten jagen wir die engen Straßen hinunter, Fußgänger springen aus dem aus dem Weg und die eine oder andere rote Ampel wird schamlos ignoriert. Ein letzter U-Törn unten auf der Küstenstraße und völlig überraschend kommen wir mit einem sagenhaften vierten Platz vor der Fähre ein. Hammer, eine echt blitzsaubere Team-Leistung. Unter lautem Jubel raus aus dem Auto, das Fährticket mit dem Zeitstempel lösen und abklatschen. Was für ein Auftakt dieses Rallye-Tages. Auf der Fähre treffen wir das Team der 'Wadi-Beisser'. Die sind erst heute Morgen um sechs in Istanbul angekommen, eineinhalb Tage Verspätung. Dreimal sind die Sechs mit Pannen liegengeblieben. Einspritzpumpe, Kühler und Getriebe - mittlerweile kennen sie jedes Aggregat mit Vornamen. 40 Stunden seien sie durchgefahren - man kann es ihnen glauben, denn solche Augenringe habe ich noch nicht gesehen.

Vom Fährhafen aus müssen wir einen bestimmten Bahnhof suchen und dort mit einer Künstlerin, die dort ausstellt, ein Foto machen. Doch der Verkehr, ein Gewirr aus Einbahnstraßen und etliche Baustellen machen diese Aufgabe zu einer echten Prüfung für Mensch und Material. Und unser Material besteht diese Prüfung nicht. Ohne Vorwarnung platzt an einer Kreuzung der Kühler von Doris und Holgers Mercedes. Eine dicke Wasserdampfwolke steigt aus dem Motorraum, eine Wasserlache unter dem Auto und die Diagnose ist sofort klar: Totalausfall des Kühlers. Und das mitten in diesem Moloch. Nun ist er da, der GAU. Wir hatten wohl zuviel Glück in den ersten Tagen.

Was jetzt folgt, macht das Team Südheide endgültig zur Legende. Vom Stehenbleiben bis 'Motor läuft wieder' vergehen 122 Minuten! Rekordverdächtig. Nachdem sich Holger und Cord mit sorgenvoller Miene in den Motorraum gebeugt haben muss ein Plan her. Ausbauen des Kühlers ist kein Problem, aber woher Ersatz beschaffen? Und jetzt zeigt sich die wahre Gastfreundschaft unseres türkischen Gastlandes. Schon nach kurzer Zeit steht ein Taxifahrer neben uns und fragt nach unserem Problem. Es entwickelt sich ein unglaublicher Dialog, denn weder auf Deutsch noch auf Englisch ist eine Konversation möglich. Mit Händen und Füßen reden wir 1a aneinander vorbei. Während wir abschleppen und ihn voran fahren lassen wollen, will er uns wohl einen neuen Kühler von irgendwoher besorgen. Oder auch nicht. Oder was anderes. Er telefoniert und schreibt gleichzeitig Fahrzeugdaten auf. Wir wollen in unsere Autos steigen und er will einen vom Team in sein Taxi laden. Schließlich scheinen wir uns darauf geeinigt zu haben, einen Kühler von irgendwoher zu holen und Holger und Groupie Andreas steigen zu ihm ins Taxi. Der Rest der Mannschaft bleibt am 'Unfallort'. Nach einer Odyssee durch das Einbahnstrassengewirr hält das Taxi in 'Werkstatt-City', einem Stadtteil voller Autowerkstätten. Aber an Stelle eines neuen Kühlers steigt lediglich ein älterer Monteur zu, einen 17er, einen 19er und einen Schraubenzieher in der Hand. Zum Glück kommt in einem zweiten Fahrzeug tatsächlich ein Originalkühler und auch noch zwei weitere Monteure. Gemeinsam bauen sie den Kühler für uns ein und wir können nach kaum mehr als zwei Stunden Standzeit unsere Fahrt Richtung Riva fortsetzen.

Während dieser Aktion ist nahezu jedes Rallye-Team an uns vorbeigekommen. Dass wir am Ende trotzdem längst nicht als letze ankommen macht unser Team definitiv zur Legende. Die Weiterfahrt ist auch nicht von schlechten Eltern. Der Ost-Teil der Stadt besteht mehr oder weniger nur aus Einbahnstraßen und wenn es mal keine gibt, dann ist Baustelle. Wie schön wäre es jetzt, auf die Autobahn fahren zu können. Aber nein, wir wollen auf die Küstenstraße Richtung Norden. Und das dauert. Ein Wunder, dass wir uns hier nicht verloren haben. Heute funktioniert die Kommunikation mit unseren Funkgeräten einwandfrei.

Die letze Aktion des Tages ist ein Fußballspiel einer Manschaft der Rallye-Teilnehmer gegen eine türkische Auswahl. Wir unterliegen leider 0:1, auch wenn unsere Mannschaft die reifere Spielanlage zeigt. Anschließend bringen wir dem türkischen Fussballverband unsere Geschenke dar. Team Südheide übergibt zwei Wimpel, einen vom SC Borgfeld, einen vom SV Werder Bremen. Alles in allem wenig spektakulär.

Von dort fährt der gesamte Tross noch nach Riva, einem Küstenort am nördlichen Ende des Bosporus. Wir lagern auf einem wunderbar gelegener Campingplatz mit Blick auf das Meer. Den Grill an, Würstchen drauf und lecker Abendessen. Die Betreiber des Campingplatzes versuchen uns noch anständig übers Ohr zu hauen, als es um das Bezahlen des Zeltplatzes geht. Nicht mit uns!! So, ein Uhr nachts geht's in die Kiste.

Bilder des Tages

 

Sponsor des Tages

www.reifen-pinke.de

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