Tag 5 - 14.Mai -- (Un-) Ruhetag in Istanbul

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Heute fahren wir ausnahmsweise mal kein Auto. Stattdessen rasen wir mit selbstgebauten Seifenkisten durch die Gegend.

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

 

Wenn wir uns schon zum 'Horst' machen, dann aber richtig! Nicht anders kann die Überschrift dieses Rast-Tages lauten. Die Nacht wieder verdammt kurz. Die Uhr zeigte kurz vor drei, als das Team den Weg in die Betten des Hostel Oriental findet. Beim Einchecken hatten wir dem Tresendompteur noch ein Zimmerupgrade abgerungen. Kostenfrei natürlich. Jetzt haben wir für zwei Tage Dusche auf der Kammer.

Viertelnachsieben sind wir wieder wach, wenn auch mit kleinen Äuglein und zerknautschten Gesichtern. Was soll's, dann wird eben morgen geschlafen, oder irgendwann. Nur eben nicht jetzt und nicht hier.
Frühstück gibt es in der Rooftop-Bar. Der Knaller, mit spektakulärem Blick zur blauen Moschee und Hagia Sophia. Also jetzt der kleine Werbeblock: Hostel Oriental, eine Empfehlung von Team Südheide.
Der Kaffee tut echt gut und weckt die letzten vorhandenen Lebensgeister. Erstaunlich, aber das ganze Team ist fit und brennt.

Nach dem Frühstück geht es direkt in's Fahrerlager, eine Menge Aufgaben warten auf uns. ist ja schließlich keine Butterfahrt - sagt Cord. Die wichtigste Herausforderung des heutigen Tages ist das Verfertigen einer Seifenkiste. Der grobe Plan ist in den letzten beiden Etappen schon gereift. Ralf und Holger machen sich an's Werk und kurz nach Mittag steht das Fahrgestell auf der Wiese. Schon ganz gut. Aber ein Blick durch das Fahrerlager zeigt, dass wir unbedingt noch nachlegen müssen. Beim Style hapert es noch deutlich. Es kann ja wohl kaum der Anspruch sein, nur 'irgendwie' anzukommen.

Die ganze Zeit bin ich so bei der Sache, dass mir erst um die Mittagszeit herum klar wird, wo wir eigentlich sind und was hier gerade abgeht. Mitten im Herzen von Istanbul direkt neben den Heiligtümern Blaue Moschee und Hagia Sophia sitzen wir im buntesten aller Fahrerlager. Eine Art fröhlicher geschäftige Volksfeststimmung macht sich seit dem Morgen hier breit. Alle Teams werkeln und basteln oder lösen Aufgaben und tauschen Schuhe. Apropos: Mit drei erfolgreich getauschten Paaren sind wir gaaanz weit vorn! Es ist 13:00 Uhr als auch Herma und ihr Team 222 endlich ankommen. Doch sie sind nicht mehr vollzählig. In Rumänien ist eines ihrer Motorräder mit Motorschaden ausgefallen.
Um uns herum und über den Platz laufen tausende Touristen, die sich natürlich sofort für uns und unsere Geschichte interessieren. Mindestens ein Dutzend Mal habe ich schon erklärt, was die Rallye ist und wo entlang sie verläuft. Ralf gibt sogar ein Interview und wird bei der Arbeit an der Seifenkiste gefilmt. Frauen mit Tschador oder in Burka laufen vorbei, dazu Menschen jeder erdenklichen Nationalität. Unser Grill ist mindestens ein paar hundert Mal fotografiert worden. Besonders die asiatischen Touristen lassen sich zuhauf mit uns ablichten. Unsere Seifenkiste ist DAS Fotomotiv ihrer Begierde. Ob als Selfie oder Arm in Arm mit dem Rallyeteam, dieses Motiv macht gerade Karriere in den sozialen Medien des Fernen Ostens. Bis zum nächsten Mal sollten wir dafür ein anständiges Geschäftsmodell entwickelt haben. Unseren Freunden von Team 2 wurden von einem begeisterten schwedischen Touristen sogar 200 türkische Lira (Spende!) für ein Gruppenfoto und ein Team-TShirt gezahlt. Rallye-Style eben.

Während Ideen zum Seifenkistentuning noch gesucht werden, gehen wir die anderen Aufgaben an. Anja klebt noch ein paar 'Schatzi-Aufkleber' auf markante Stellen. Polizei- und Feuerwehrautos, Müllwagen und andere Fahrzeuge: Alle ziehen mit. Außerdem ist Holger auserkoren worden zwei Mopedfahrern die Vorteile des türkischen TÜV zu erklären und zu einer entsprechenden Prüfung zu bewegen. Kunstvoll fertigen Anja und Doris aus Knete unsere Kühlerfigur und ein wunderbares Rallye-Kamel. Auch diese Aufgabe wird mit Bravour vollbracht. In der Zwischenzeit hat Ralf unsere Zeltplane über alle Autos gespannt. Schutz vor der Sonne, denn mittlerweile brennt der Planet massiv vom Himmel.

Inspiriert durch diese kreativen Leistungen sprudelten dann auch die Ideen für die Seifenkiste. Beifahrersitz, Klopapierrolle, Feuerlöscher und viele Accessoires zieren nun unser schickes Gefährt. Besonders klasse ist, dass wir zwei Fans aus Bremen in Istanbul begrüßen konnten. Torben und Andreas sind extra aus Bremen angereist, um uns zu unterstützen. Mit vielen Ideen und einer gesunden Form von Albernheit werkeln sie an unserer Kiste mit. Aus einem Wasserkanister werden rasch noch zwei kunstvolle Helme gebastelt und dann geht es auch schon los. Entlang einer gepflasterten Straße nehmen duzende mehr oder weniger fahrtüchtige Kisten ihre Positionen ein. Mit einem Fahrer (Christoph) und einem 'Motor' (Cord) sollen wir gleich eine große Runde um das Fahrerlager drehen. Oha, das ist richtig viel Strecke. Welche Taktik wird die richtige sein? Schnell an die Spitze stürmen und von vorn fahren oder auf Sicherheit und Ankommen fahren?
Eines ist auf jeden Fall schon vor dem Start klar: Mit DEM Style ist Team Südheide wieder ganz weit vorn.

Plötzlich eine irre Lautstärke -- der Muezzin ruft. Ein tolles Spektakel. Annähernd fünf Minuten lang preisen er und seine Kameraden der umliegenden Moscheen ihren Gott Allah.

Dann der Start in LeMans Manier. Im Sprint zu den Seifenkisten, reinspringen und los geht die wilde Fahrt. Allerdings nur ein paar Meter, dann haben sich alle in einem wilden Woooling ineinander verkeilt. Die ersten Kisten überstehen diese Start nicht, die Strecke ist gesäumt von Seifenkisten-Leichen und ihren Teilen. Auch das favorisierte Team 2 zerlegt es früh, die Radaufhängung bricht. Plötzlich ist der Weg vor uns frei - SCHUB!! In wildem Galopp überholen wir die nächsten Teams, um dann in einen Unfall in der zweiten Kurve verwickelt zu werden. Unser Gefährt ist einfach zu breit. An dieser Schlüsselstelle überholen uns leider viele leichte Wagen und wir fallen aussichtslos ins Mittelfeld zurück. Egal, dann fahren wir auf jeden Fall auf Platzierung. Unterwegs haben diverse Nebenaggregate unserer Kiste ihr Leben ausgehaucht und werden zur Beute der Zuschauer, die dichtgedrängt zu Hunderten die Strecke säumen. Ausgangs der letzten Kurve müssen Fahrer und Schieber tauschen, Cord ist im Eimer. Die letze lange Gerade, breit öffnet sich der Zielraum; jetzt noch mal Vollgas, die Hartplastikräder knattern ohrenbetäubend auf dem Pflaster.

Fast wie bei einer Bergetappe der Tour de France drängt die Zuschauermasse bis auf die Fahrbahn und lassen nur einen minimalen Korridor frei. Tolle Atmosphäre -- bis zur Katastrophe. Kurz vor dem Ziel bricht uns die Vorderachse weg. Oh noooooo! Mit letzter Kraft und unter ohrenbetäubendem Jubel der Masse überqueren wir halb schiebend, halb tragend unter ferner Liefen die Ziellinie. Aber: Wir sind DER Hingucker.

Was für ein Sport!!

Nach einer halben Stunde des Verschnaufens zerlegen wir die Reste des schrottreifen Renners. Es ist 18:00 Uhr und den Rest des Tages haben wir zur freien Verfügung. Aber wir haben ja noch etwas in petto. Jetzt nämlich kommt der Grill zum Einsatz. Wir müssen zwar lange in den verwinkelten Gassen suchen, bis wir verschiedene Würste, Brot und Käse finden. Aber es lohnt sich, denn es sieht nicht nur cool aus, wie wir da so grillen, es schmeckt auch noch richtig gut!

Kurz vor Mitternacht sind immer noch nicht alle Teams da. Nummer 107 und Nummer 10 sind noch unterwegs. Die Zehner wollten unbedingt schon im schwarzen Meer baden und die 107er hatten schon beim Start einen Motorplatzer. Oha!
Heute Abend sind wir einigermaßen früh im Bett, die letzten Tage haben Spuren hinterlassen. 13:40 Herma kommt an, Motorrad verloren

Bilder des Tages

 

Sponsor des Tages

www.reifen-pinke.de

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