Tag 4 - 13.Mai -- Pirdop über Griechenland nach Istanbul

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Holger bleibt an der Grenze hängen, Nadir haut uns raus - Anreise von Bulgarien über Griechenland nach Istanbul. Wir trödeln und kommen trotzdem noch als etwas 15. in Istanbul an. Läuft!

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

Nach komfortabelen sechseinhalb Stunden Schlaf begrüßt uns ein wunderschöner Morgen - auf dem Fliesenboden der Hotellobby. Erst beim Aufwachen wird mir wieder klar, welchen Jökel wir hier gestern veranstaltet haben. Das Hotelpersonal begrüßt uns überschwänglich und es gibt tatsächlich ein Frühstück für uns. Boah - für so einen Kaffee braucht man mindestens Vordiplom. Da rollen sich die Fußnägel hoch und der Blick geht anschließend stramm geradeaus. Und es dauert eine Ewigkeit, obwohl wir scheinbar die einzigen Gäste in diesem Etablissement sind. Ob die uns Einlaß gewährt haben, weil sie sonst keine Gäste haben? Ulkig ist das Ganze schon, zumal dieses Hotel in allerbestem Zustand ist. Sei's drum - aufsitzen und weiter geht die wilde Fahrt.

Wir fahren durch einen formvollendet-sonnigen Frühlingsmorgen und heute Abend wollen wir Istanbul erreicht haben. Von Pirdop aus geht es weiter über Neben-Nebenstrassen Richtung Plovdiv. Dort wollen wir die Zubringerstrasse Richtung Türkei erwischen und unterwegs noch die eine oder andere Roadbook-Aufgabe lösen.
In der Nähe von Karlojanovo halten wir beim ortsansässigen Bauunternehmer an und lassen uns ein paar Löcher in die Seifenkisten-Bretter bohren. Mit Händen und Füßen erklären wir den Angestellten die Rallye und bedanken uns mit einem Sechserträger warmem Bier. Unterwegs tüfteln wir an der Konstruktion unseres Gefährtes und schangeln darum, wer das Ding wird fahren müssen.
Dann wird unsere Fahrt jäh gestoppt, ein Schwertransport blockiert die komplette Strasse Nummer 8. Mitten am Tag fährt ein abenteuerliches Gefährt im Schneckentempo vor uns her und die letzte sinnvolle Abfahrt liegt gerade hinter uns. Keine Möglichkeit zu wenden und verlieren wertvolle Zeit. Auf dem GPS-Track sehen wir, dass andere Teams mit einer besseren Route unterwegs sind. Mist. Nach einer gefühlten Ewigkeit können wir die marode Kolonne endlich passieren.
Herr Google verrät uns, dass der Baukonzern BauMit den Fussballverein von Haskovo sponsert. Da müsste es doch möglich sein, ein Werbeschild dieses Unternehmens zu fotografieren. Denn eine der Aufgaben des Roadbook lautet, solche Schilder zu finden - und zwar möglichst spät auf der Strecke bis Istanbul. Mit Haskovo müssten wir eigentlich ganz weit vorn sein. Also runter von der Bahn und rein in den Ort. Oha, diese Stadt bezeugt den Niedergang kommunistischer Schwerindustrie. Unfassbar viele heruntergekommene und verfallene Fabrikgebäude säumen die Ausfallstrassen. Mitten im Ort finden wir tatsächlich eine große Baustelle mit riesigen BAUMIT-Fahnen. Chaka! Bei der Ausfahrt aus dem Ort verirren wir uns und landen inmitten eines dieser maroden Industrie-Viertel. Sprachlos finden wir nach einigen Schleifen den Weg zurück auf die Strasse Nummer Acht und cruisen Richtung türkischer Grenze.

Unterwegs entscheiden wir kurzfristig noch einen Schlenker nach Griechenland zu machen. Wir liegen noch gut in der Zeit und ein zusätzlich besuchtes Land ist diesen Umweg alle mal wert. Diese Leichtfertigkeit soll sich aber bald rächen. Wir reißen das Steuer rum und passieren einen verschlafenen Grenzort, der Bulgarien und Griechenland verbindet. Die freundlichen Beamten winken uns noch nach und schon nach 20 Kilometern stehen wir an der nächsten Grenzstation. Diesmal von Griechenland aus in die Türkei. Schnell noch ein Foto an der griechischen Grenzstation und dann rüber.

Doch erstmal müssen wir uns in Geduld üben, denn auf der türkische Seite ist Stau vor der Abfertigungsstation. Und dann fällt Holger plötzlich auf, dass sein Fahrzeugschein fehlt. Oh no, HOLGER HOLGER HOLGER! Nach einigem Herumtelefonieren in diesem Stau wird klar, dass er ihn zu Haus im Kopierer hat liegen. Holger, Du Friseur, das kann doch wohl nicht dein Ernst sein. Und es kommt, wie es kommen muss: Wir bleiben mit der Kopie in der Kontrolle hängen. Und nun? Der unfreundliche Grenzer läßt uns nicht durch und will uns zurückschicken. Die einstündige Wartezeit umsonst? Ganz zurück nach Haus? Auto stehen lassen? NEIN, das kann nicht sein!

Jetzt heißt es Ruhe bewahren und die Geheimwaffe ziehen: Nadir, türkischer Chef des Organisationskomitees. Tatsächlich erreiche ich ihn per Telefon und ein unendlicher Redeschwall zwischen Nadir und dem Grenzer setzt ein. Nadir hat Erfolg und wir wähnen uns schon auf der anderen Seite der Grenze. Doch wir haben die Rechnung ohne den Direktor des Grenzpostens gemacht. Der lässt uns erneut stoppen und stellt klipp und klar fest, dass wir zurück müssen nach Griechenland und über einen anderen Übergang einreisen müssten. Hier ginge das nicht. Sagt's und verschwindet in seinem Büro. Holger und Christoph lassen nicht locker. Hinterher in seine Kemenate und auch ihm erklärt, dass er mit Nadir telefonieren müsse. Nach einigem hin und her lässt er sich erweichen --- und genau jetzt hat das Handy keinen Empfang. Tolle Wurst. Dann endlich zeigt es wieder einen winzigen Balken und tatsächlich kommt ein Gespräch zustande. Lautstark verhandeln die beiden für unverständliche Dinge. Und dann haut der Typ auch noch mit dem Handy ab. Ohne Kommentar lässt er Holger und mich wie die Schuljungen auf dem Gang stehen und kommt eine gefühlt Dreiviertelstunde nicht wieder. Keiner beachtet oder spricht mit uns. Jetzt werde auch ich langsam nervös. Dann endlich kommt der korpulente Amtsleiter zurück und drückt uns mit dem lapidaren Worten 'you can pass' die Papiere in die Hand. Nach ein paar weiteren Wirren mit seinen Angestellten kommen wir mit insgesamt zweieinhalb Stunden Verspätung weiter.
Holger, was für ein fauxpax! Das wird ein teurer Abend für dich

So, jetzt aber Fuß auf's Gas, wir sind ja nicht auf einer Butterfahrt. Der Tag geht bald zu Ende und wir haben immer noch über 200 km vor uns. Leider funktionieren unsere Funkgeräte nur sehr eingeschränkt. Na das wird was werden im verrückten Verkehr von Istanbul. Die Dunkelheit bricht herein, als wir die Stadtgrenze erreichen und jetzt wird es haarig. Bei diesem Verkehr und dem Straßennetz das Ziel finden - eine nahezu unmögliche Sache. But wie did it!!!

Nahezu ohne Schlenker und Umwege treffen wir an der blauen Moschee ein. Was für ein Anblick! Direkt neben Blauer Moschee und Hagia Sophia liegt das Fahrerlager, in dem wir für die nächsten beiden Tage heimisch werden sollen. Mitten drin im pulsierenden Mega-Schmelztiegel Istanbul. Wieder kommt dieses Gänsehautfeeling, das diese Rallye so einzigartig macht.

Nicht einmal 15 Teams sind vor uns eingetroffen, was für ein Erfolg trotz unserer Bummelei. Viele andere Teams sind irgendwo in diesem unübersichtlichen Moloch von Stadt hängengeblieben und kommen weit nach uns rein.

So, noch schnell einen guten Stellplatz sichern, denn übermorgen werden wir in LeMans-Manier starten: Alle gleichzeitig. Da ist eine gute Position nicht zu verachten.

21:00 Uhr --- wir stehen. Das "Anlege-Bier" haben wir uns redlich verdient. Der Abend geht mit vielen kleinen und großen Abenteuergeschichten zu Ende, die wir mit den nach und nach eintrudelnden Teams austauschen. Wunderbar ist zum Beispiel die Geschichte von Team 99, die sich zum Schluss von einer Gruppe Fahrradfahrer kilometerweit hat lotsen lassen, denn sie hatten sich heillos am anderen Ende der Stadt verfranzt. So, Schluss für heute, morgen gibt es mehr zu lesen.

Bilder des Tages

 

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