EPILOG --- ES HÖRT EINFACH NICHT AUF

Es hört nicht auf...

Die letzten Nächte habe ich auf dem Parkplatz vor unserem Supermarkt campiert und ich dusche nur noch selten.
Zum Frühstück gibt es Sultan-Cola und warme Mettenden, die ich seit Wochen in der Hutablage meines gebrauchten C-Klasse Mercedes umherfahre. Im Radio singt Westernhagen gerade "ich möcht' zurück auf die Straße...".
Auf dem Boden meiner Tasse hat sich der Kaffeesatz fingerdick abgelagert und ich trage ein rotes T-Shirt mit weißem Halbmond: Türkiye!

Meine Frau guckt verwundert, als die Kinder heute morgen die Fahrräder in Reih und Glied an der Strasse aufstellen müssen. An der Haustüre zähle ich von zehn runter und im LeMans-Start geht es für die drei Richtung Schule.
Seit einigen Tagen habe ich einen neuen Job: Bei Wallenius in Bremerhaven, lernen, wie man Autos schnell auf eine RoRo-Autofähre verlädt. Navi und Strassenkarten habe ich entsorgt, denn für meinen Weg zur Arbeit habe ich mir Bilder als Chinesenrallye zusammenkopiert.

Gestern auf Dienstreise in Stuttgart wollte ich aus Kostengründen in der Lobby des Hotels zelten. Der Rezeptionist ruft die Polizei. Als ich versuche, ihnen ein Schatzi-Emblem auf den Peterwagen zu kleben, nehmen sie mich mit auf's Revier.

Jetzt sitze ich hier in meiner Zelle und frage mich, was da in den letzten Tagen schiefgelaufen ist...

Tag 20 – 29.Mai –- Mission completed, unerwartet ZWEITER

Hammer, Wahnsinn, großes Kino!

Mit einem nicht erwarteten und kaum für möglich gehaltenen ZWEITEN Platz endet die diesjährige Rallye Allgäu Orient für unser Team Südheide. Nachdem die Jury die halbe Nacht und den heutigen Tag die Roadbooks ausgewertet hatte stand es fest: Der zweite Platz ist unser! Grenzenlos war der Jubel der Südheide, als das OK in der Festhalle des Hotels Crown Plaza am Toten Meer gegen 20:00 Uhr MEZ die Sieger der diesjährigen Rallye verkündet. Als Zweiter durchs Ziel zu gehen fühlt sich unglaublich gut an. Neben den vielen Erfahrungen, Abenteuern und Erlebnissen dürfen wir als Lohn für all die Strapazen auch noch auf das ‚Siegertreppchen‘. Unfassbar. Die Siegertrophäe ging in diesem Jahr an das Team 77, Getriebesand. Von hier aus einen Herzlichen Glückwunsch an diese würdigen Champions! Well done!

Nach drei Wochen auf der (Land-) Straße, jeder Menge provisorischer Übernachtungen, viel zu wenig Schlaf, unglaublichen Eindrücken, vielen kleinen und großen Abenteuern und der Erkenntnis, immer noch nicht genug zu haben sind wir heute in Jordanien am Toten Meer. Heute schlafen wir ausnahmsweise mal nicht in der Lobby eines Vier-Stern-Hotels sondern in den weichen Betten und genießen den Luxus dieser Nobelherberge. Gemeinsam mit unseren vielen neu gewonnenen Freunden feiern wir unsere ‚Vize-Meisterschaft‘ wie einen Weltmeister-Titel. Mit all den anderen Teams lassen wir die Erlebnisse der vergangenen drei Wochen Revue passieren und können nicht genug bekommen von all den Geschichten, die wir erlebt haben und die die anderen zu erzählen haben. Eine Nacht für die Ewigkeit, die hoffentlich nie zu Ende geht. Leider sind es nur die letzten paar Stunden unseres großen gemeinsamen Abenteuers. Aber an morgen mag jetzt keiner denken…

Was noch zu sagen bleibt? Ein riesengroßer Dank an das OK, die Organisatoren, die dieses unvergessliche Erlebnis möglich gemacht haben! DANKE!

Bilder des Tages

 

Tag 17 - 26.Mai – Vom Toten Meer über den Jordan nach Qian Khana

Bei 400m unter normalnull gestartet, über den Joran in’s Haschemiten-Reich und ab in die Wüste, fast zu dicht an die syrische Grenze

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

 

Aufwachen im Camp am Toten Meer. 7:00 Uhr morgens und 29°C, es wird ein heißer Tag werden. Holger muss eben noch in der Salzlake schwimmen – gestern war wegen Roadbook keine Zeit mehr. Eigentlich kann man das nicht schwimmen nennen, wenn er auf dem Rücken liegt, schauen die Füße automatisch aus dem Wasser. Am besten liegt man einfach so im Wasser und lässt sich treiben. Da liegt er mit seiner Zeitung, Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, die er seit Oberstaufen wie seinen Augapfel hütet. Nur keinen Knick rein machen. Wenn er nur auf all seine Sachen so sorgfältig aufgepasst hätte. Zeitung und Holger müssen natürlich noch anständig auf Celluloid gebannt werden – für die Aufgabe "Heimatzeitung lesen im Toten Meer". Ein Teil des Teams will noch schnell zum See Genezareth. Klappt aber nicht richtig, nur Fischteiche gefunden. So geht’s eben ohne Navi.

Frühstück gibt es heute erst nach dem Losfahren – ganz mitteleuropäisch bei MC D. Wir wollen über die Grenze von Israel nach Jordanien, das sind vom See aus noch etwa 100 km. Es geht vorbei an Plantagen mit Zitronen und Datteln. An der Grenze natürlich das obligatorische Foto. Da sollen wie immer alle Teammitglieder mit drauf, das schnallt aber nicht jeder. An der Grenze werden wir von den Israelis intensiv kontrolliert. Für jedes Auto gibt es eine Art ‚Passierschein‘ in leuchtend orange mit dem wir das Auto über die Grenze bringen dürfen. Dann geht das Verbusseln wieder los. Na wer wohl? Herr Kaufmann wieder vorne mit dabei. Er hat von der einen Seite der Grenze bis zu anderen den Zettel nicht mehr in der Hand. Trotz oranger Leuchtfarbe. Doris rollt mit den Augen. Holger ist nochmal zurück gelaufen und hat zum Glück einen Ersatzzettel ausgestellt bekommen. Von uns bekommt er zum Geburtstag sicher ein Herrenhandtäschchen geschenkt, in dem er seine wichtigen Dokumente aufbewahren kann. So eine aus Schweinsleder, am Handgelenk zu tragen. Hinterher hat sich der Zettel wieder angefunden, bei einem anderen Team, die ihn gegen kühles Bier eintauschen wollen.

Auf der jordanischen Seite werden wir mit maximaler Freundlichkeit empfangen. Der Haschemiten-Prinz hat die Seinen ganz ordentlich vorbereitet. Es werden reichlich Getränke gereicht und Informationsmaterial zu Land, Sitten und Gebräuchen verteilt. Hier an der Grenze erhalten wir auch die ersten detaillierten Informationen zu unseren Rückflügen nach Deutschland. Doof, denn eigentlich will hier noch niemand an das Ende unserer tollen Reise denken. An der Grenze sind wir dann auch endlich mal ‚über den Jordan‘ gefahren. Rüdigers Fan-Schals von Eintracht Braunschweig auch. Er hatte sie uns genau zu diesem Zweck mitgegeben. Hinter der Grenze sehen wir auch die ersten syrischen Flüchtlingslager, ein Blickkontakt wenigstens zu den Menschen, denen wir mit unserer humedica-Aktion helfen können.

Über Irbid geht es nach Al Zarqa und dann 30km in die Wüste. Im Roadbook gibt es einige kaum entzifferbare und in unserer Karte nicht auffindbare Orts- und Routenangaben. Die Karte zeigt Autobahn-ähnliche Strecken an, die wir natürlich auf jeden Fall umfahren wollen. Kurz mit Christoph in Deutschland telefonieren, der kann google befragen. Google weiß aber auch keine rechte Antwort. Qyan Khanna gibt es wohl auch in Indonesien. Also lieber auf die klassische Art navigieren – Versuch und Irrtum. Ralf und Anja übernehmen diese Aufgabe und es kommen verschiedene Versuche und Irrtümer dabei heraus. Kein Problem, besser weiß es eh keiner. Nach einigem Hin- und Her auf dem dünn gesäten Strassennetz Jordaniens kommen wir dann in Qian Khana an. Es erwartet uns eine Art ausgetrockneter See, Wadi nennt man das wohl, als Nachtlager. Die Grenze zu Syrien ist nicht weit und rund um uns herum sehen wir jede Menge Militär.

Einige Teams waren vor uns da und haben mit ihren Autos die ersten Kreise in den Sand gedreht. Unser Tacho zeigt heute knapp 6.000 km. Unser Abendessen besteht aus all den Resten an aufgewärmten Dosenfutter und Trockenkeks, die wir noch in den Autos finden können. Tütensuppen werden mit der Zeit echt zu einer Delikatesse. Jetzt ein kaltes Bier – das wäre was. Von einem der Teams bekommen wir welches angeboten. 3€ die Dose – die müssen wohl ihren Rückflug noch finanzieren. Natürlich kaufen wir denen trotz dieser Wucherpreise ihren Bestand ab. Wir nehmen 10 Dosen und kommen in eine günstige Rabattstaffel. Wir können uns auch an kleinen Erfolgen erfreuen. Nach diesem nicht ganz üppigen Nachtmahl erzählen wir noch lange unter der unendlichen Schar von Sternen in dieser klaren Nacht. Auch wenn es tagsüber unerträglich heiß war, die Nacht ist erfrischend und unter diesem Sternenhimmel ein einmaliges Erlebnis.

Bilder des Tages

 

Sponsor des Tages

www.encoway.de/

Tag 15 - 24.Mai -- Odyssee mit Flugzeug und Fähre nach Israel

Die Nacht ist hart und kurz, am Morgen die Autos verladen, dann auf's Flugzeug warten und zu guter letzt Ankunft im Heiligen Land

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

 

Oha, was für eine Nacht! Erst mussten wir ewig vor der Hafeneinfahrt warten, dann doch zu einem anderen Tor als gedacht. Wir schlafen im oder neben dem Auto. Die zweite Nacht in Folge ohne echten Schlaf, jetzt wird's echt nervig. Cord sagt 'das muss so', auch wenn er - wie alle anderen - gehofft hatte, dass tasächlich um 23:00 Uhr verladen wird. Gegen 05:30 Uhr muss es plötzlich ganz schnell gehen. Von irgendwoher ist das Schiff dann doch eingelaufen (-> 'wieso, war es vorher größer'). Endlich die Autos verladen, und dabei die Schlüssel stecken lassen. ...

Und dann wieder warten, warten, warten. Diesmal warten wir auf den Bus, der uns zum Flughafen Adana bringen soll. Zum Glück gibt es irgendwo dahinten halbwegs kühles EFES zu kaufen. Biertrinken zum Zeitvertreib. Um 14.00 Uhr kommt endlich der Bus zum 80km entfernten Flughafen. Der Flieger hebt dann ausnahmsweise ohne zögern um 17:00 Uhr ab und landet dann eine gute Stunde später in TelAviv. Zum Glück denken wir an das Foto 'von der Grenze' für das Roadbook.
Von Flughafen TelAviv geht es - wieder mit dem Bus - weiter nach Haifa, zu unseren Autos. Ok, die sind natürlich noch nicht da - die Fähre ist noch unterwegs und soll am Montagmorgen ankommen. Wir sind skeptisch und nehmen uns ein Hotelzimmer in der Nähe. In Worten 'ein' Hotelzimmer. Doppelzimmer, immerhin. Mit sechs Leuten in der kleinen Kemenate, anders sind die 11,11 € nicht zu machen. Nach ein paar kleineren 'Umbaumaßnahme' kommen aber alle sechs Teammitglieder einigermaßen unter. Schön gemütlich ist anders. Das wird die dritte Nacht in Folge ohne echten Schlaf.

Aber vorher geht es noch im Hafenviertel in's Restaurant. Das entschädigt für vieles. Nach dem gestrigen Tag ohne echte Malzeit und dem mittelprächtigen Essen im Flieger ist dieses Nachtmal ein echter Kracher. Halbwegs zufrieden und in Vorfreude auf Jerusalem und den Wüsten-Teil der Rallye schlafen sechs abgekämpfte Rallyefahrer in einen unruhigen Schlaf.

Bilder des Tages

 

Sponsor des Tages

http://vodafone-nord.de/

Vodafone hat vorbildlich für unsere Kommunikation bis in die Südtürkei gesorgt. Das hat prima geklappt!

Tag 18 - 27. Mai -- von Qian Khana durch die Wüste nach Amman

Militärische Begrüßung am Morgen und dann „kütt de Prinz“ in die Wüste, der Haschemit wird mein Freund; es wird Deutsch gesprochen an der Uni von Amman und wir genießen die jordanische Küche.

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

 

Am Morgen wachen wir durch dröhnende Dieselmotoren und quietschende Kettengeräusche auf. Die jordanische Armee hat sich mit schwerem Gerät in einem Halbkreis um uns aufgestellt. Und natürlich schießen die Gerüchte ins Kraut, denn der Rallyefahrer an sich ist auch eine Tratschtante. Ist ‚His Royal Highness‘ lediglich um unser Wohlergehen besorgt und schirmt uns von der naheliegenden syrischen Grenze ab? Oder handelt es sich doch um ein Manöver, wie man ein Flüchtlingslager vor Angriffen der ISIS schützt, die direkt hinter der syrischen Grenze in Stellung liegen? Das ist natürlich alles Quatsch, denn später stellt sich heraus, dass es wohl eine Sicherheitsmaßnahme zum Schutz der königlichen Familie war, die uns später am Tag besuchen wird. Aber auch das sind nur Gerüchte und Spekulationen.

Der Morgen startet mit einer Fahrt durch kreuz und quer durch die Wüste. Voran fährt eine Art 'Follow Me'-Fahrzeug, wir können uns also (leider) nicht verfahren. Mitten in der staubigen Wüstenetappe führt uns dieses Führungsfahrzeug zu einem Zelt beim UNESCO Weltkulturerbe ‚Cuseir Amra. „De Prinz kütt“, hätte der Kölner Karnevalist gerufen: Der Schirmherr der Rally – Kronprinz Hussein Bin Abdullah II. – gibt sich die Ehre und schüttelt freundlich ein paar Hände. In brauner Hose und schwarzen T-Shirt kommt er eher angenehm bodenständig als distanziert-feudal daher. Sehr angenehme Erscheinung. Wir hören, dass er leider an der Siegerehrung am Freitag nicht teilnehmen kann. Ein Mitglied des Königshauses tritt am Freitag bei der FIFA-Wahl gegen Sepp ‚Doofmann‘ Blatter an. Ich hab die Haschemiten in mein Herz geschlossen! Für den Rallye-Tross hat der Prinz auch hier wieder reichlich Erfrischungen auffahren lassen.

Erfrischt und gestärkt geht es weiter und zurück Richtung Zivilisation. Ein Besuch der ‚German University‘ in Amman steht auf dem Programm. Seit einiger Zeit gibt es eine Partnerschaft zwischen der Rallye und diese Uni. Im letzten Jahr hat die Rallye einige Stipendien finanziert. Eine weitere, gute Charity-Geschichte unserer Reise. Auf dem Weg dahin kann Cord seine ganzes Navigations-Geschick zeigen. Irgendwie überholen wir das Führungsfahrzeug und den ganzen Rallye-Tross und sind weit vor der Meute zurück in der Stadt. Zielsicher steuert Cord uns trotz schlechtem Kartenmaterial Richtung Uni. Dort (als Dritte) angekommen haben wir die Gelegenheit mit einigen Studenten zu sprechen. Wir sind erstaunt, denn viele von ihnen waren schon für ein oder zwei Jahre in Deutschland. Die meisten von Ihnen in Hamburg. Ein bisschen ulkig ist die Situation schon. Die Studenten sind gut gekleidet und fröhlich und stehen uns ungeduschten und in verdreckten Autos sitzenden ‚Typen‘ gegenüber. Guter Eindruck geht anders. Als wir erzählen, dass uns die 45 Grad Außentemperatur ganz schön zusetzt lachen sie und erklären, dass des in den Sommermonaten noch viel heißer wird. Oha, das war also erst ‚Frühling‘!
Auch hier wird wieder jede Menge Ess- und Trinkbares für uns aufgetischt. Holger und Carsten lassen am Getränkestand Cola-Dosen mit unserem Team-Logo bekleben. Hoch lebe Südheide 79! Carsten hält sich damit aber nicht lange auf – er hat die Fressbude entdeckt. Einmal mit Alles bitte. Noch bevor wir an diesem Stand ankommen hat er bereits die ersten beiden Portionen jordanisches ‚HotDog‘ bereits verputzt. Als ob es morgen nichts mehr gäbe. Dieses kulinarische Geschenk treibt ihm aber ordentlich die Röte in’s Gesicht. Nicht vor Scham, sondern weil auch der Wüstenbewohner scharfe Chillischoten anzubauen versteht. ;-)

Endlich gibt es hier auch wieder WLAN. Die Tage ohne WhatApp und Facebook waren für Cord und Doris hart – und jetzt wird gesurft, was das Zeug hält. Schließlich muss der bereits in die Heimat zurück gekehrte Christoph mit Text und Bild versorgt werden. Derweilen werden auf dem Platz vor der Uni Tänze und andere kurzweilige Kultur angeboten. Holger und Carsten machen Augengymnastik. Als Cord und Doris 'mit Internet' fertig sind, steht kein Versorgungsstand mehr. Doris bleibt hungrig. Es stellt sich auch raus, das die Buden gar nicht für die Rallye aufgebaut waren - es ist irgendeine Art 'Feiertag'. Oh was sind wir für Kulturbanausen... Christoph schreibt uns später, dass der Feiertag "Lailat al-Miraj (Nacht der Himmelfahrt)" heißt. Aha, wieder was gelernt. Wir sind ja auf so einer Art 'Bildungsreise'.

Der Tag endet mit einer Fahrt zum Park Alhuseein, wo wir unser letztes Nachtlager unter freiem Himmel aufschlagen. Da hat es sich mit unseren Navigationskünsten aber reichlich erledigt! Cord, der Wüstenfuchs, hat an der Uni den Weg gegooglet. Hätte erlieber bleiben lassen sollen. Wir fahren also vor, eine Meute anderer Teams brav hinterher. Die denken, dass wir uns auskennen. Denken wir auch -- bis die Straße zu Ende ist. Falsche Abfahrt genommen, oh wie peinlich. Wir müssen umdrehen, an allen vorbei und zugeben, dass wir gar und überhaupt nicht wissen, wo es längs geht. Haha, da ist er hin, der Mythos. Ein paar Einheimische weisen uns dann den richtigen Weg. An einer roten Ampel (habt ihr da echt angehalten? Warmduscher!) quatscht Holger zwei Harley-Fahrer an - 'sind wir noch auf dem richtigen Weg?' Die Jungs haben gleich ihren Warnblinker eingeschaltet und sind vorweg gebraust. Wir und alle anderen brav hinterher. Rechts, links, immer schön Handzeichen, alles supi. Läuft! Dann biegen die beiden Typen plötzlich ab - Tankstelle. Alle hinterher.
Die Augen werden groß: Statt zu tanken fragt uns der eine, was wir trinken wollen. Wir wären seine Gäste; alle 30, die er im Schlepptau hat! Da ist er wieder, dieser unglaubliche Rallye-Spirit. Wo man auch hinkommt - es gibt immer Leute, die einen umhauen. Also Pause gemacht, Getränke geholt, gequatscht. Bei der Weiterfahrt ist dann eines der Mädels aus einem anderen Team bei ihm auf die Harley gestiegen. Hat sich seine Gastfreundschaft als doch gleicht gelohnt - es sei ihm gegönnt. ;-)
Die Mopedjungs bringen uns schnurstracks bis zum Park. Dort machen wir noch ein paar gemeinsame Fotos, Holger bekommt ein jordanisches Tuch und eine Visitenkarte von einem der beiden. Das auf dem Platz herumstehende Militär ist 'not amused' über die Fotosession. Es scheint so, als würden sie die 'Vereinsfahne' der Mopedfahrer nicht mögen. Bei näherem Hinsehen mutet die auch ein wenig nach 'Hells Angels' an. ...

Gegen abend gibt es noch ein Fussballspiel von ein paar Rallye-Jungs gegen eine jordanische Mannschaft. Das Ergebnis ist nicht überliefert. Ralf und Anja hatten heute ihren freien Tag und erkundeten Land und Leute auf eigene Faust. Die anderen vier sind am Abend noch mit den großartigen Jungs vom Team Breitengrad in Amman-City unterwegs gewesen. Die Taxifahrt dorthin ist abenteuerlich. Der Taxifahrer stellt sich blöd und kennt sich gar nicht aus. Als Alex, Team 2, ihm erklärt, wo wir hinwollen, verlangt er mehr Geld. Zack, anhalten aussteigen! Ok, bevor wir aussteigen, ist er doch einverstanden. Nach dem Wiederlosfahren wieder nicht mehr. Eine echte Odyssee. Im Restaurant angekommen probieren wir gemeisam die Köstlichkeiten der jordanischen Küche. Es gibt eine unglaublich leckere Vorspeise und ‚grilled mix‘. Überraschend laden uns die Breitengrader Freunde ein – als Dank, an manch eine kollegiale Unterstützung. Das Lob können wir nur zurück geben! Team Breitengrad sind echte Kerle! Eigentlich hätten wir sie einladen müssen, denn die letzten Fotos für unser Roadbook dürfen wir bei Alex auf dem mobilen Drucker ausdrucken. Danke sehr! Zurück im Park Alhuseein schlürfen wir noch ein wunderbares Getränk, bevor die Nachtruhe beginnt. Hatte ich davon schon berichtet? Team Breitengrad verfügt über eine mobile Espresso-Maschine, Handpresso. Wasser im Topf erhitzen, mit einer Art Luftpumpe Druck erzeugen und mit Druck und heißem Wasser einer Art Kaffeepad das schwarze Gold entlocken. Cooler Scheiß!

Ein letztes „Gute Nacht , Pa“ – „Gute Nacht, John-Boy“, und die Lichter gehen für heute aus.

Bilder des Tages

 

Sponsor des Tages

http://oyten.rotary1850.org/

Tag 16 - 25.Mai – Haifa / Jerusalem / Bethlehem / Totes Meer

Nach einem desaströsen Tagesbeginn bekommen wir endlich unsere Autos wieder und erkunden in aller Eile Jerusalem, verfahren uns prompt und landen dann doch am und im Toten Meer.

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

 

Shalom, wir wachen in Israel auf. Eine ‚schöne‘ Nacht war das – sechs Menschen in einem Doppelzimmer. Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Nächten war es jedoch eine vergleichsweise erholsame Nacht. Und ganz wichtig: Es gab wieder eine Dusche. ‚Oh, wie ist das schön‘ könnte man da singen. Nach einem kurzen Frühstück geht es gleich wieder los – die Autos müssen im Hafen abgeholt werden. Glücklicherweise ist unser Hotel nah am Hafen, wir können also zu Fuß laufen. Doof nur, dass es der falsche Hafen ist! ‚It’s a classic‘ – würde Franz Beckenbauer jetzt sagen. Na dann, rein in zwei Taxis und ab in den ‚anderen‘ Hafen. Aber das Schicksal läßt uns nicht so einfach aus seinen Fängen.

Die erste Taxibesatzung steigt aus und merkt zu spät, dass auch dieser zweite Hafen wieder falsch ist. Die zweite Taxibesatzung sieht die erste nicht, schnallt aber, dass auch dieser Hafen nicht richtig sein kann und fährt mit dem Taxi weiter. Ein Kontrollposten an der Straße weist dann irgendwann den Weg. Die erste Besatzung steht jedoch ohne Taxi am falschen Hafen ohne Ahnung, wo das eigentliche Ziel ist. Ein paar Telefonate, einige wilde Flüche und eine weitere Taxifahrt später sind wir Sechs zwar reichlich verspätet, aber wenigstens wieder vereint, um die Autos in Empfang zu nehmen. Vor Ort müssen wir die Zollformalitäten erledigen und es wird noch eine zusätzliche ‚keiner-weiß-warum-und-wofür‘-Gebühr von 100 € pro Auto fällig. Ich wusste gar nicht, dass auch der Israeli der modernen gewerbsmäßigen Wegelagerei nachgeht. Zähneknirschend zahlen wir die Gebühr und erwarten ungeduldig unsere drei Wüstensterne. Einer kommt nicht. Es passt irgendwie in das Bild dieses verkorksten Morgens, dass – trotz eindringlichem Hinweis beim Verladen – in einem unserer Autos der Schlüssel nicht steckt. Zum Glück findet er sich in einer unserer Taschen wieder – ich fühle mich an’s Verbusseln erinnert.
Wir hören, dass andere Teams über Istanbul nach Haifa fliegen mussten, inclusive Umsteigen. Scheinbar haben wir doch nicht jedes Missgeschick mitgenommen.

Während die meisten anderen schon Sightseeing in der Heiligen Stadt genießen, fährt das Team Südheide ziemlich zuletzt aus dem Fährhafen raus Richtung Jerusalem. Schade, es wird damit nicht mehr viel Zeit bleiben, um dieser wunderbaren Stadt einen Besuch abzustatten. Um 11:30 Uhr zeigt das Thermometer bereits 39,5 Grad, eine unmenschliche Hitze. So etwas hat noch keiner von uns je erlebt. Mehr geht nicht – denkt man. Am Nachmittag klettert das Quecksilber weiter und zeigt in der Spitze 43 Grad. Nicht zu fassen, was Mensch und Material hier ertragen müssen. Auf den Straßen sehen wir viel Militär, vor allem viele junge Soldatinnen und Soldaten, komisches Gefühl.

Unser Weg führt uns nach Bethlehem zur Geburtskirche, dort sollen wir die Zacken des Sternes zählen. Wir zwängen uns durch den nur 1.20 hohen Eingang zur Kirche. Die Kirche selbst wird gerade restauriert, so sind große Teile eingerüstet und abgedeckt. Bei einer weiteren Aufgabe müssen wir herausfinden, warum es an der Grabeskirche eine Holzleiter gibt. Google kann uns nicht helfen – keine Verbindung mehr. Na, dann eben klassisches Durchfragen. Auch wenn es hier im Blog nicht so rüberkommen mag: Jerusalem ist schon ein ganz besonderer Ort. Wir werden wiederkommen müssen, um diese beeindruckenden und geschichtsträchtigen Plätze noch einmal ‚richtig‘ zu besuchen.
Gleich hinter Jerusalem beginnt eine wüstenartige Landschaft. Was soll hier auch wachsen, bei den Temperaturen. Anschließend machen wir ein Foto am Grenzübergang zu Palästina, komisches Gefühl, und wollen Richtung Totes Meer. Der Weg ist zwar nicht weit – dafür ist unsere Karte schlecht und die Schriftzeichen auf den Verkehrsschildern nicht entzifferbar. Irgendwo verpassen wir eine Abfahrt, wie müssen umkehren. Obwohl es doch heißt ‚vorwärts immer, rückwärts nimmer‘ setzt Cord auf einem Feldweg zurück – und kracht Holger volles Brett auf den Kuhfänger. Jetzt zeigt sich, was das Ding wert ist. Nämlich nix. Statt Cords Heck ist Holgers Kuhfänger verbogen. So sehr, dass wir alle vereint daran reißen müssen, um ihn wieder halbwegs zu richten. Danach weiter im Kreis gefahren, wieder an der Grenze gelandet und dann zu guter Letzt einen Einheimischen gefragt. Der ist uns dann vorausgefahren und hat uns dann an der richtigen Stelle abgeliefert. Und auch hier schein auf den Straßen zu gelten: Rot ist eine schöne Farbe – mehr aber auch nicht. Selten so viele Ampeln bei ‚nicht-grün‘ überfahren. Dann endlich das Camp am Toten Meer, Kalia Beach Resort am nördlichen Ende des Sees, heute Nacht wird an diesem seltsamen Ort gezeltet. Ralf, Anja und Carsten gehen noch schwimmen. Wir hatten nicht erwartet, dass der Effekt des hohen Salzgehalts tatsächlich so stark sein würde. Unglaublich!!! Cord vervollständigt mit Holger noch das Roadbook. Nach einem gemütlichen Abendessen geht es dann in die Falle. So etwas wie eine ‚reguläre‘ Rallye-Nacht liegt vor uns.

Bilder des Tages

 

Sponsor des Tages

www.vbn.de/

Tag 14 - 23.Mai -- von Dalyan im Höllenritt nach Mersin auf die Fähre

Mit den Hühnern aufstehen und in einer langen Tagesetappe die Küstenstrasse entlang - um dann die ganze Nacht auf die Fähre zu warten. Schön geht anders. Am Abend Crewchange von Christoph mit Carsten.

 Der Tag in der Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Die Geschichten des Tages

 

'Bevor der Hahn dreimal kräht' - das war Burhans Empfehlung für das Losfahren heute morgen. Und tatsächlich ist das Team 79 um nullfünfhundert aus den Federn, äh aus den Schlafsäcken. Die Nacht war extrem unruhig. Die letzten Teams haben noch lange gefeiert, die ersten waren schon um vier wieder auf den Beinen. Heute geht es die D400 entlang Richtung Mersin. 750 Kilometer mehr oder weniger geradeaus. Wir durchfahren die großen Urlaubsorte entlang der türkischen Mittelmeerküste mit den megagrossen Bettenburgen und stellen fest, dass der Stop in Dalyan genau richtig war. Mit Abstand der schönste Badeort, den wir gesehen haben.

Gefühlte hunderttausend Gewächshäuser mit Tomaten und nicht viel weniger Orangenhaine erstrecken sich endlos entlang der gut ausgebauten Straße. Später auf der Strecke sehen wir Bananenplantagen. Unzählige BANANENPLANTAGEN. Es ist wenig Verkehr, wir kommen gut voran. Einmal mehr bewähren sich unsere Autos mit dem Stern. Früh morgens etwa an Platz 37 gestartet, sind wir mittags im GPS-Track schon wieder an Platz 17. Sagt nichts über die Wertung aus, ist aber trotzdem gut für's automobile Gemüt. Am Ende sind wir als Siebte in Mersin. Hinter Antalya fangen die Berge an, da wird es nochmal richtig kitzlig Rallye-like. Die Wüstensterne mit ihre 136 Ponys wollen richtig und es geht endlose Kilometer bergan und begab durch enge Kurven.

Gestern abend haben wir noch eine Reihe Teams mit ihren Roadbooks im Fotoshop gesehen. Da gibt es also noch einige mehr, die auf Sieg fahren. Mein Geheimtipp ist die Scuderia Populare, ein weiteres Team mit Lenze-Aufklebern an den Fahrzeugen. Ich bin mal gespannt, wie es ausgeht...

Heute werden die Rallyeautos in Mersin auf die Fähre verladen und es ist Crewchange im Team79. Ich, Christoph steige planmäßig in Mersin aus und unser siebtes Teammitglied Carsten dafür ein. Des einen Freud des anderen Leid. Ein paar Stunden stehen wir noch vor dem Hafen, dann fahre ich mit dem Bus Richtung Adana Airport. Meine letzte Etappe ist mal wieder von der Freundlichkeit der Türken geprägt. Mit dem schweren Seesack bin ich nur bis zur Bushaltestelle um die Ecke gekommen, dort in den nächstbesten Mini-Bus Richtung Osten eingestiegen. "Adana havalimanı" - Adana Flughafen, soweit reichen meine neu erworbenen Türkisch-Kenntnisse. Unterwegs nach Adana werde ich dreimal umgestiegen, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Busfahrer sorgen untereinander dafür, dass ich von einem in den richtigen nächsten Bus umsteige. So geht Service auf türkisch! Am Busbahnhof Adana handeln dann die neben mir sitzenden türkische Fahrgäste mit dem Busfahrer aus, dass der mich noch bis direkt zum Terminal fährt. Mir bleibt die Spucke weg.

Im Terminal wird mir so langsam klar, dass meine Reise hier leider zu Ende ist. Tschüß Türkei, tschüß Rallye - ich komme bestimmt wieder...

Meine Kolleginnen und Kollegen vom Team 79 lungern unterdessen noch immer vor dem Hafen rum. Noch immer ist unklar, wann genau die Fähre fährt, wo im Hafen sie überhaupt liegt und wann die Autos verladen werden sollen. Es wird eine lange Nacht, alle werden wenig schlafen. Die ursprüngliche Ankündigung des OK war "20:00 Uhr am Hafen, 22.00 Uhr verladen". Aber vor Mitternacht tut sich gar nichts. Holger, Doris, Ralf und Anja versuchen auf den Autositzen schlafend auf die Fähre zu warten. Carsten und Cord campieren neben dem Autos auf den Anlegekai im Freien. Um 5.30 muss plötzlich alles ganz schnell gehen, ruck zuck Klamotten zusammengepackt und die Autos ab auf die Fähre. Nachdem schon in der letzten Nacht in Dalyan an Schlaf kaum zu denken war, nun also eine zweite, noch härtere Nacht.


Bilder des Tages

 

Sponsor des Tages

www.neusta.de